"Dies ist nicht der Fall." Das ist der meistgesprochene Satz auf diesem DFB-Bundestag in Nürnberg. Es ist der Satz des Wahlleiters, wenn er nach Gegenstimmen und Enthaltungen fragt und feststellt, dass es keine gibt. Egal bei welcher Entscheidung: Wenn der DFB sein Personal wechselt, seine Satzungen ändert oder seinen Finanzbericht verabschiedet – immer heben alle 253 Delegierten die grüne Ja-Karte. Fast immer. Als einmal bei einer unbedeutenden Personalie ausnahmsweise drei rote zu sehen sind, ziehen die Abweichler viele staunende Blicke auf sich.

Bei der wichtigsten Entscheidung fragt der Wahlleiter gar nicht erst nach Gegenstimmen. Der Präsident Wolfgang Niersbach, der einzige Kandidat, wird bis 2016 wiedergewählt. 100 Prozent, das ist kein SED-Ergebnis, das ist besser als ein SED-Ergebnis. Und der DFB muss im Gegensatz zur SED Wahlen nicht mal manipulieren.

Alle drei Jahre hält der DFB einen Bundestag. Doch den Begriff darf man nicht zu wörtlich nehmen. Es geht zwar sozusagen um Politik, aber nicht, wie im Plenarsaal, mit Rede und Gegenrede, mit Argument und Gegenargument. Beim Fußball ist die Stimmung launig.

Das liegt auch an Niersbach. Der Fußballfan ist immer für eine Anekdote aus der Sepp-Maier-Ära gut. Oder ein Kaiser-Franz-Gleichnis. "Wir wollen als Einheit zwischen Profis und Amateuren unschlagbar sein", sagt Niersbach. "Obwohl… das hat ja schon mal einer gesagt, und dann ging es schief." Beckenbauer sagte nach der WM 1990 etwas ähnliches über die Nationalmannschaft, jeder im Saal versteht es. Schmunzler.

Es wird geduzt

Auch andere Redner greifen in die Mottenkiste. Das Ehrenmitglied Karl Schmidt, 81, schwelgt in Erinnerung an Peco Bauwens. Der ehemalige, längst verstorbene DFB-Präsident verursachte 1954 einen internationalen Skandal, weil er, wenn man ihn richtig verstand, im Wunder von Bern das Wirken des Führerprinzips erkannte. Das Plenum hört weg.

Zwischendurch wird es rührig. Der scheidende Amateurressortleiter Hermann Korfmacher kämpft mit einer Träne. Auch Niersbachs Augen feuchten sich nach seinem Sieg. "Ich bin froh, dass Ihr Euch so gut versteht", sagt er zu seinen Freunden Wolfgang und Günter. Lacher im Publikum, auf dem Platz harmonierten die beiden Spielmacher Overath und Netzer selten. Heute hat sie Niersbach nebeneinandergesetzt.

Viele Freunde sind gekommen: der Rudi, der Jogi, der Hansi, der Hotte, der Jünter. Auch mit vielen Reportern duzt sich der Wolfgang. In Nürnberg wird klar, warum ein Politiker, der mal Einblick in die Fußballwelt gewann, sie als einen Haufen netter Kameraden beschrieben hat.