Echte Siegertypen können vermutlich am schlechtesten verlieren. So wie Jürgen Klopp. Nach dem Spiel in Wolfsburg nimmt er seine Brille ab, schaut missmutig, setzt sie wieder auf und sagt: "Nach so einem Spiel ist man sich als Trainer nicht ganz sicher, ob man das sagen soll, was man denkt. Oder das sagen soll, was alle hören wollen."

Zuerst schien es, als habe sich der Trainer des BVB für Variante zwei entschieden. Nicht schimpfen, kein Ärger, Klopp weiß ja, wozu das führt. Er meinte noch, er würde jetzt wirklich versuchen, keine Schlagzeilen zu produzieren. Nur um dann doch ein paar Spitzen in Richtung Schiedsrichter Jochen Drees zu werfen, der, so fand Klopp, gehörigen Anteil an der 1:2-Niederlage seiner Mannschaft hatte. "Ich weiß nicht, ob wir mit ihm schon einmal einen Punkt geholt haben", sagt Klopp.

Dünnhäutig ist er nach Niederlagen, der Klopp. Dabei gingen Drees' Entscheidungen alle in Ordnung, der Dortmunder Trainer hätte also auch sagen können: Meine Mannschaft hat heute schlechten Fußball gespielt. Doch diese Möglichkeit existiert für Klopp nicht oder er ist schlau genug, durch öffentliche Sperenzchen Druck von seiner Mannschaft zu nehmen. Letzteres ist wahrscheinlicher.

Seine Mannschaft hat derzeit nämlich genug Probleme. Die Niederlage in Wolfsburg war die zweite für den BVB innerhalb von vier Tagen. Nun ist es durchaus erlaubt, gegen den FC Arsenal zu verlieren, immerhin Tabellenführer der Premier League. Es ist auch keine Schande, gegen einen VfL Wolfsburg zu verlieren, der sich unter Dieter Hecking gerade zu einem ernstzunehmenden Europapokal-Anwärter entwickelt. Möglicherweise ist Jürgen Klopp sogar selbst am allerwenigsten überrascht, dass es ab und an mal einen Rückschlag gibt für sein schwarz-gelbes Lebenswerk.

Auch Bayer Leverkusen ist kein ernsthafter Bayern-Konkurrent

Aber für den Rest des Fußball-Landes, für alle Nicht-Bayern-Fans, für all jene, die sich in der Bundesliga Spannung bis zum letzten Spieltag wünschen, sind Stolperer wie der der Dortmunder in Wolfsburg ein schlechtes Zeichen. Sie bedeuten: Der Bundesliga droht ein weiteres, langweiliges Jahr. Der BVB, der bei aller Liebe zu Bayer Leverkusen einzig ernsthafte Konkurrent, kann mit den Bayern nicht über eine ganze Saison lang mithalten. Wieder nicht.

Im direkten Vergleich sind die Dortmunder wahrscheinlich nicht viel schlechter als der FC Bayern. Mittelfristig gesehen aber sind die Münchner besser, weil sie gerade eines der Naturgesetze des Fußballs außer Kraft setzen: dass man auch mal verliert. Seit 37 Spielen ist ihnen das nicht mehr passiert. Niemand wäre überrascht, wenn es die nächsten 37 Spiele so weiter geht.

Die große Stärke des FC Bayern ist, dass er auch seine Gurkenspiele gewinnt, von denen es in den vergangenen Wochen einige gab. Der BVB schafft das nicht, ist instabiler und lässt so im Verlauf einer Saison hier mal einen Punkt liegen und dort. Wie im vergangenen Jahr. Bloß ging es damals noch schneller.

Das hat Gründe: Trotz großzügiger Investitionen vor der Spielzeit trennen den BVB-Kader noch immer Welten vom viel großzügiger bezuschussten Aufgebot des FC Bayern. Pep Guardiola hat mehr Kunst an der Säbener Straße versammelt als so manch anderer Münchner in seiner Schwabinger Mietwohnung.