Kleidungsfragen spielen in dieser Schachweltmeisterschaft eine Rolle, weil der Herausforderer Magnus Carlsen ein gut bezahltes Model ist. Aber modische Akzente kann er am Spieltisch auf der Bühne des Ballsaals im Hyatt Regency Hotel zu Chennai kaum setzen, weil seine Werbepartner ihn mit ihren Markenzeichen bepflastern. Am Sonnabend in der sechsten Runde trägt er wieder das blaue Sakko mit den Sponsorenlogos, die aus der Ferne wie komische Flecken aussehen. Schicker ist die eng geschnittene Blue Jeans, die allerdings recht kurz geraten ist und deutlich über den Schuhen endet. Man könnte sie als Hochwasserhose bezeichnen, passend zum Wetter.

Es ist Regenzeit in Südindien, und wenn es auch all die vergangenen Tage trocken war, so ist es das jetzt nicht mehr. Viswanathan Anand verlor am Freitag nach vier Remisen die fünfte Partie; prompt hat der Himmel über Chennai seine Schleusen geöffnet.

Das ist kein kalter, nordeuropäischer Herbstregen. Die Stadt ist grau und eingenebelt, und wer das klimatisierte Hotel verlässt, hat das Gefühl, ein dampfendes Treibhaus zu betreten. Wir haben 27 Grad, das ist wenig, es soll noch Gewitter geben.

In Norwegen ist Novemberzeit Erkältungszeit und bringt Leben in die Apotheken. Die Saison der Erkältungsmittel ist da. Ob das unter dem Monsun ähnlich ist? Viswanathan Anand wirbt für ein Grippemittel, dessen gelbes Logo auf seinem Sakko pappt. Gelb wie die Pillenschachtel ist auch das Hemd, das er trägt. Crocin Cold & Flu MAX rettet den Weltmeister am Brett, wenn ihm die Nase läuft. Das Video zur Kampagne zeigt ihn in bedrängter Position, ihm gegenüber ein gnadenloser Skandinavier. Und dann die verblüffende Innenwirkung des Pharmazeutikums. Anand nimmt eine Kapsel, die sich wenig später im Körper explosiv entfaltet und aus den Darmzotten fontänengleich ins Gehirn schießt. Der Skandinavier ist fällig!

Ob das mit den Doping-Richtlinien des Weltschachverbands zu vereinbaren ist, sei dahingestellt. Aber fällig soll der Skandinavier Carlsen in dieser sechsten Runde sein. Anand ist nach der unnötigen Niederlage am Vortag deutlich verschnupft. Er hat Weiß und legt als Eröffnung Spanisch auf, ein bewährtes Mittel aus dem Giftschrank des Priesters Ruy López de Segura, der es 1561 erstmals beschrieb.

Hilft es auch jetzt?


Die sechste Partie der WM. Anand spielte mit den weißen Figuren. Verfolgen Sie die Züge durch Klick auf die Pfeiltasten oder auf die Notation rechts.