Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, will nach dem Prozess wegen Steuerhinterziehung gegen ihn den Vereinsmitgliedern die Vertrauensfrage stellen. Er werde eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und den Mitgliedern "das Recht geben, zu entscheiden, ob ich noch der richtige Präsident für diesen Verein bin", sagte der 61-Jährige auf der Jahreshauptversammlung des Vereins. "Ich werde mich jedem Votum, das sie treffen, unterwerfen."

Zuvor hatte Hoeneß, der immer wieder von Beifall unterbrochen wurde, gesagt, er sei überzeugt, dass er einen fairen Prozess bekommen werde. "Ich möchte mich nicht reinwaschen und so tun, als wenn nichts geschehen wäre", sagte er. Den Zuspruch des FC Bayern werde er "nie vergessen", rief er den 3.573 Mitgliedern zu.

"Ich wünsche Uli Hoeneß, dass die Geschichte gut für ihn ausgeht", hatte zuvor Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in seiner Rede gesagt. "Uli ist ohne Übertreibung der Spiritus Rector des FC Bayern. Ohne sein unglaubliches Engagement, ohne sein Zutun, wäre der FC Bayern nicht das, was er glücklicherweise ist und darstellt." Die Mitglieder im Saal jubelten. Hoeneß hielt sich die Hand vor das Gesicht, schluckte und weinte.

Der Bayern-Präsident hattesich im Januar selbst angezeigt , weil er Einkünfte von einem Konto in der Schweiz verschwiegen hatte. Er soll über ein heimliches Konto Steuern in Höhe von 3,2 Millionen Euro hinterzogen haben. Weil die Selbstanzeige aus formalen Gründen fehlerhaft war, leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein. Im März wurden das Privathaus und Büroräume von Hoeneß durchsucht. Einen Haftbefehl konnte er im März gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro verhindern.

In einem ZEIT-Interview hatte Hoeneß den Steuerbetrug Anfang Mai als schweren Fehler bezeichnet. "Ich habe eine große Torheit begangen, einen Riesenfehler, den ich so gut wie möglich korrigieren will", sagte er. Der FC Bayern und Sponsoren des Vereins wie Adidas, Volkswagen und die Deutsche Telekom hatten sich nach der Selbstanzeige geschlossen hinter Hoeneß gestellt.