Heute findet ein Fußballspiel statt: Beitar Jerusalem gegen Hapoel Tel Aviv.

Zigtausende kommen zum Spiel, hauptsächlich Männer, und der Zug nach Jerusalem ist brechend voll.

Einen kurzen Spaziergang von der Endhaltestelle entfernt liegt das berühmteste Fußballstadion des Landes. Dreißigtausend Menschen, heißt es, werden heute dort sein.

Während ich auf das Stadion zugehe, das Teddy-Stadion von Jerusalem, sehe ich das Werk der Beitar-Fans. "Judaisiert Jerusalem!"-Poster sind an Masten aufgehängt. "Wir wollen Israel, Araber raus!", singen die Fans, die an mir vorbei laufen.

Was hat ein Ball mit Arabern zu tun? Oder mit Juden?

Bist du für Beitar?, frage ich einen Mann.

"Bis zum Tod", antwortet er.

Das erscheint mir ein bisschen extrem.

Sein Freund macht den Hitlergruß, als das Wort Hapoel fällt, der Name des Vereins, gegen den Beitar heute spielt.

Wieso bist du für Beitar?, frage ich einen anderen Fan.

"Weil ich als Beitar-Fan geboren bin", antwortet er.

Sehr überzeugend.

Zwei berittene Polizisten stehen in der Nähe.

Was erwarten Sie sich von heute Abend?

"Dass ich irgendwann ins Bett gehen kann."

Rechnen Sie mit Ärger?

"Fragen Sie die da", sagt einer der Polizisten und zeigt auf die Fans, wie man vielleicht auf einen Haufen Abfall zeigen würde. 

Waren Sie hier, als diese Teams sich das letzte Mal begegnet sind?

"Ja."

Was ist da passiert, gab es Schlägereien?

"Ja."

Und Bomben?

"Ja."

Spielen Araber für Hapoel?, frage ich einen Fan.

"Ja."

Und für Beitar?

"Nein!"

Er erklärt mir seine Lebensphilosophie:
"Für dieses Land besteht keine Hoffnung, keine Hoffnung, wegen der Araber. Wenn wir die machen lassen, was sie wollen, übernehmen sie das Land."

Dieser Mann ist zugleich Schwarzmarkthändler. Das ist, soweit ich weiß, illegal, aber hier stört es niemanden.

"Dreißig Schekel das Ticket!", brüllt er, dann unterhält er sich weiter mit mir. "1948 haben wir die Araber von Aschdod bis Aschkelon vertrieben. Gibt es dort Probleme mit Arabern? Nein. In anderen Städten haben wir sie verschont, und wir haben verloren. Überall Araber, nur Probleme. Ihr Journalisten schreibt, dass wir schreien, 'Weg mit den Arabern'. Aber habt Ihr auch geschrieben, dass die Araber schreien, 'Tod den Juden!'? Nein! Ich spiele mit offenen Karten und sage: Weg mit den Arabern! Die Hälfte der Mannschaft von Hapoel sind Araber. Wollen Sie mir erzählen, dass das keine Politik ist? Dreißig Schekel das Ticket! Dreißig Schekel! Dreißig Schekel!"

Ich kaufe ihm ein Ticket ab. Das sieht nach einem Spiel aus, das ich mir nicht entgehen lassen sollte.

Wenig überraschend lande ich in einem Beitar-Block.

Ungefähr neunzig Prozent der Fans im Stadion sind für Beitar. Vor dem Anpfiff brüllen die Beitar-Fans: "Hurensohn! Hurensohn!"

"Jerusalem ist nicht Europa!", brüllen die Hapoel-Fans zurück – eine Anspielung auf rassistische Fans in Europa, die die Fans des Gegners als "Juden!" beschimpfen.

Die Beitar-Fans brüllen zurück. Gott weiß, was genau sie da schreien. 

Natürlich kommt jetzt wieder von den Hapoel-Fans etwas zurück, und der Lärm ihres Geschreis kann jedes normale Wesen taub werden lassen, ob Mensch oder Katze. Das ist ganz offensichtlich ein politisches Spiel.

"Beitar Jerusalem!", schreit der Stadionsprecher, während Stimmzettel mit dem Namen eines rechten Politikers auf uns niederregnen. Morgen findet eine Wahl statt, und man will, dass der Rechte gewinnt. 

Die Nationalhyme Israels, die Hatikvah, wird gespielt. Ein Fan von Hapoel, ein Araber mit freiem Öberkörper, macht ein Zeichen in Richtung der Beitar-Fans, "Ihr seid tot!" soll es bedeuten. Seine Freunde, die als die Roten bekannten Fans (Beitar ist gelb), unterstützen ihn lautstark.

Ich dachte, dass ich Beitar nicht mag, weil sie mir zu rassistisch sind, aber jetzt mag ich auch Hapoel nicht mehr.

Beide Lager scheinen aus Rassisten zu bestehen, denen es Spaß gemacht, einander zu hassen.

Jetzt wird eine Schweigeminute eingelegt, zu Ehren des verstorbenen Rabbis Ovadja Josef.

Die Hapoel-Fans interessiert das nicht sonderlich, und die Anhänger von Beitar beschimpfen sie: "Ihr Linken!"

Endlich beginnt das Spiel.