Es ist einer dieser Novembertage, die nie erleuchten: Aus einer grauen Wolkenwand fallen Regenfluten auf das in einem kleinen Wald gelegene Geißbockheim, das Vereinsgelände des 1. FC Köln. Caspar-David Friedrich hätte eine Leinwand aufgestellt und Pinsel gezückt. Eine Kulisse, schön zum Betrachten, nicht aber zum Drinstehen. Oder?

Gut 70 Menschen besuchen an diesem Tag das Training des FC. Auch Armin, seine Frau Manuela und ihr erwachsener Sohn Florian sind da. Sie haben sich unter rot-weiße Regenschirme gepfercht, einige Buchen gewähren zusätzlichen Unterschlupf.

Vor ihren Augen erteilt Peter Stöger mit sanfter Stimme das Kommando. Seit Saisonbeginn ist der Österreicher Trainer des FC. Und es dauerte nicht lange, bis er die Fans auf seiner Seite hatte. Der FC ist gerade Tabellenführer der Zweiten Liga. Es sieht also so aus, als ob ein Österreicher den launischen Klub aus dem Rheinland beruhigt und wieder in die richtige Spur gebracht hat.

Ein sportliches Auf und Ab

Beim Training grätschen die Spieler ihre Körper in den sumpfigen Platz. Es wird geschrien (Ja!, Ahh!) und befohlen (Raus!, Hier!). Noch vor anderthalb Jahren schien ihr Verein wie gelähmt. Am letzten Spieltag wurde er von Bayern München im eigenen Stadion vorgeführt, Randale begleitete die Gewissheit des Abstiegs. "Wir trauern um den 1. FC Köln", stand auf einem Plakat an der Fankurve. Im Hintergrund brannte so viel schwarzer Rauch und bengalisches Feuer, dass es aussah, als würde ein Vulkan ausbrechen. Lukas Podolski, die kölsche Ikone, konnte sich vor seinem Wechsel nach London nicht mehr verabschieden, weil er wie alle anderen Spieler in die Katakomben flüchtete.

"Die Zeit damals war schlimm", sagt Armin. "Aber wenn es schlecht läuft, dann schmeißt man seine Brocken nicht in die Ecke. Vor allem nicht beim FC." Hier in Köln sei der Zusammenhalt in schwierigen Zeiten besonders groß, sagt er. Und tatsächlich: Es wurden seit dem Abstieg kaum weniger Fanartikel verkauft. Über 40.000 Zuschauer besuchten seither die meisten Spiele.

Jetzt, wo es wieder richtig gut läuft, ist das Stadion sogar oft ausverkauft. Um die Tickets für das vergangene Heimspiel gegen Union Berlin, das der FC mit 4:0 gewann, hatten sich Armin, Manuela und Florian schon lange vorher gekümmert. Neulich haben sie sich Karnevalstrikots gekauft. Eine Sonderedition für 89 Euro, mit eingearbeiteten Narrenkappen. Florian hält die Hemden während des Trainings in einer Tüte. Nachher möchten sie sich die Leibchen signieren lassen.

Viele Attribute für eine vielfältige Fankultur

Auch im Geißbockheim kann das fiese Wetter niemandem die Stimmung vermiesen. "Ker, Christa, ist dat nicht nen Tag?", ruft ein Mitarbeiter durch den Flur. "Dat Lääve ist schön, so wunderschön", antwortet ihm die Frau am Empfang. Am Eingang hängt eine große Tafel, die "FC-Charta", ihr Titel lautet "dat FC-Jeföhl". Unter einem der elf Punkte heißt es: "Der FC steht für eine lebendige, humorvolle, respektvolle, offene, ehrliche, friedfertige und leidenschaftliche Fankultur."

Was dieser Anhängerschaft Einheit stiftet, ist das Liedgut über den FC. Gut 40 Songs zum Mitträllern gibt es, von Brings, Stefan Raab oder De Höhner. Als kleine Kulturschätze verbinden sie die Lebensfreude des Karnevals, Rhythmen zum Schunkeln und stadiontaugliche Refrains. Während in Gladbach Scooter und in Leverkusen Status Quo als Tormusik läuft, erfreut man sich in Müngersdorf an Kölle Alaaf.

Denn der FC ist wie der Dom und der Karneval unzertrennlich mit seiner Stadt verbunden, die auf der FC-Charta als die "schönste Deutschlands" bezeichnet wird: "Egal, was Du hast oder bist, wie Du lebst und wen Du liebst", heißt es weiter. Die Mentalität dieser hypertoleranten Stadt schlägt sich auch im Vereinsumfeld nieder. Hier nimmt man es, wie es kommt ("et kütt wie et kütt"), ist optimistisch ("et hätt noch immer joot jejange") und übt sich in Selbstironie: "Wir sind nur ein Karnevalsverein."