ZEIT ONLINE: Herr Kehl, Sie könnten am Samstag Ihr Comeback nach einem Bänderriss geben. Und zwar gleich gegen den FC Bayern. Freuen Sie sich darauf oder hätten Sie es erst einmal lieber eine Nummer kleiner gehabt?

Sebastian Kehl: Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich wieder dabei bin, gerade nach der längeren Verletzungszeit. Wenn ich spielen sollte, werde ich mich gut vorbereiten und mit den anderen versuchen, den Bayern ein Bein zu stellen. Wir wollen diese Situation nutzen, obwohl sie nicht optimal ist.

ZEIT ONLINE: Neben Neven Subotić, der mit einem Kreuzbandriss lange ausfällt, haben sich unter der Woche auch noch Marcel Schmelzer und Mats Hummels verletzt.

Kehl: Wir waren alle erst einmal geschockt, als die Meldungen mit Mats und Schmelle reinkamen. Die Verletzung von Neven lag ja auch erst ein paar Tage zurück. Trotzdem werden wir uns nicht verstecken. Es ist eine Chance für viele andere und eine neue Herausforderung für das Team. Wenn eine Mannschaft in der Lage ist, auch solche Rückschläge zu verarbeiten, dann sind wir das. Deshalb werden wir am Samstag das Beste daraus machen, uns komplett verausgaben. Mit dem nötigen Glück behalten wir die Punkte in Dortmund.

ZEIT ONLINE: Hummels und Schmelzer haben sich beim Länderspiel in England verletzt. Ist man im Verein sauer auf den Bundestrainer?

Kehl: Nein, absolut nicht. Joachim Löw kann nicht dafür verantwortlich sein, dass zum Beispiel Mats sich bei einer Aktion den Fuß verdreht. Da gibt es keinerlei Schuldzuweisung dem DFB gegenüber. Wir sind froh, dass so viele unserer Jungs in der Nationalmannschaft spielen. In dieser Situation hatten wir einfach großes Pech.

ZEIT ONLINE: Aus eigener Erfahrung: Worauf müssen die verletzten Spieler achten, damit sie den Anschluss an die Mannschaft nicht verlieren?

Kehl: Kleine Verletzungen sind schnell kuriert. Man hat schnell wieder Anschluss, kommt gar nicht wirklich raus aus dem Rhythmus. Wenn man aber wie Neven eine Kreuzbandverletzung hat, ist es ein Prozess. Man braucht Zeit, um die Verletzung zu verarbeiten und sich wieder in Form zu bringen. Da ist viel Arbeit nötig. Bei unseren Jungs mache ich mir da keine Sorgen. Die sind alle so jung und hungrig, dass sie gestärkt zurückkommen.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie das bei Ihren Verletzungen gemacht?

Kehl: Ich wollte aus der Situation immer das Beste machen und wieder zurückkommen. Dieser Glaube und der große Ehrgeiz haben mir immer geholfen, das zähle ich zu meinen Stärken. Und im Moment bin ich sehr dankbar, dass ich wieder dabei bin und in den vergangenen Jahren so große Erfolge mitfeiern konnte.

ZEIT ONLINE: Dachten Sie zwischendurch ans Aufhören?

Kehl: Ja, ich habe darüber nachgedacht, aufzuhören. Das liegt aber schon ein paar Jahre zurück. Weil es immer wieder Rückschläge gab, die ich mir nicht erklären konnte. Da ist der Gedanke aufgekommen: Hat das noch Sinn, funktioniert das noch? Den habe ich aber immer relativ schnell verworfen, aus einem großen inneren Antrieb heraus.

Sebastian Kehl und seine Verletzungen, ein Video aus dem "Aktuellen Sportstudio" aus dem Jahr 2011, ab  Minute 6:05

ZEIT ONLINE: Der FC Bayern kommt als Tabellenführer. Dortmund patzte zuletzt in der Liga. Was fehlt dem BVB noch zum FC Bayern?

Kehl: Ich will uns nicht mit dem FC Bayern vergleichen. Wir sind in den vergangenen Jahren unseren eigenen Weg gegangen und waren auf unsere Art erfolgreich. Und das werden wir auch weiterhin so handhaben.

ZEIT ONLINE: Wie sehen Sie die aktuelle Mannschaft des BVB im Vergleich zum Vorjahr?

Kehl: Jeder Einzelne hat sich persönlich und fußballerisch weiter entwickelt. Zudem haben unsere Zugänge weitere Qualität in den Kader gebracht. Somit haben wir auch in diesem Jahr eine sehr gute Mannschaft. Aber dass dies am Ende nicht immer zu einem Titel führt, wissen wir auch. Wir müssen sehr viel investieren. Aber ich mache mir um unsere Mannschaft auch zukünftig keine Sorgen.