Im Sommer gabs in München Ärger. Als die Bayern Mario Götze vorstellten, trug er ein Nike-Shirt. Nike ist der Konkurrent von Adidas, dem Ausrüster und Gesellschafter der Bayern AG. Der Adidas-Chef Herbert Hainer äußerte sich erbost über Götze und die Bayern. Götzes Berater musste sich bei Adidas und Karl-Heinz Rummenigge entschuldigen.

Sind geschäftliche Interessen betroffen, ist das für Herbert Hainer fast ein Staatsakt. Über den jahrelangen Steuerbetrug durch Uli Hoeneß hingegen ist von ihm kein Wort der Kritik überliefert. Auch nicht von Martin Winterkorn (Volkswagen), Rupert Stadler (Audi) oder Timotheus Höttges (Telekom) und den anderen Aufsichtsräten des FC Bayern.

Sie stützen ihren Freund Hoeneß bis heute. Als am Montag bekannt wurde, dass der Mann mit dem Schweizer Ersatzkonto im März vor Gericht erscheinen muss, präsentierten sie ein Rechtsgutachten. Es besagt, dass Hoeneß als Aufsichtsratschef bleiben dürfe, solange er nicht ins Gefängnis wandere.

Das Gutachten geht nur auf Paragraphen ein, nicht auf Werte. Ethik ist für die deutsche Wirtschaftselite offenbar bloß Teil der Sonntagsrede von der Corporate Responsibility.

Ein anderes Unternehmen bekennt sich nun, spät, aber immerhin, zu guter Unternehmensführung: die ABV, eine Tochter der Allianz. Sie trennt sich von ihrem Aufsichtsrat Hoeneß. Pikanterweise ist die Allianz ein Großsponsor der Bayern, Namensgeber des Stadions, war oder ist als Gesellschafter der Bayern AG im Gespräch. Das dürfte den Druck auf den Aufsichtsrat erheblich erhöhen, von Hoeneß abzurücken. Es könnte der Anfang vom Ende für Hoeneß sein, mindestens den Vorsitz des Aufsichtsrats könnte der Präsident verlieren. Er sollte ihn wenigstens während des Prozesses ruhen lassen.

In der Politik oder in einem Unternehmen hätte Hoeneß längst zurücktreten müssen. In der Wirtschaftsbranche Fußball ist das anders. Hier darf er nach wie vor hoffen, als Gewinner vom Platz zu gehen, etwa wenn das Gericht seine Selbstanzeige doch noch akzeptiert. Er kämpft, wie stets, für sich und seine Herzenssache, den FC Bayern – fühlt sich provoziert durch die verbotene Veröffentlichung seiner Steuervergehen, bestätigt durch viele sanfte Worte freundlicher Journalisten, ist empört über die Empörung über ihn. Wenn es nach ihm ginge, würde er den Verein wohl noch aus der Zelle führen.

Hoeneß scheint nicht zu merken, dass er mit seinem Beharren sich und seiner Herzenssache schadet. Er ist schwer zur Einsicht zu bewegen. Wahrscheinlich haben es die Aufsichtsräte gar nicht erst versucht. Vielleicht ist es ökonomisches Kalkül, dass sie an dem Erfolgsmacher festhalten. Vielleicht lassen sie sich von schönen Toren und den Champions-League-Sternen blenden.

Die Fußballfans im Aufsichtsrat des FC Bayern sollten endlich begreifen, dass man Meistertitel nicht gegen Straftaten aufrechnen darf. Tolle Bilanzen würden Hainer, Höttges und Winterkorn in ihren Konzernen auch nicht helfen, wenn sie Steuern hinterzogen hätten.