So läuft das auf der Welt: Die Juden haben einmal die Woche einen wichtigen Feiertag, den sie Sabbat nennen, und die Christen haben einmal im Jahr einen wichtigen Feiertag, den sie Weihnachten nennen. Wenn man nur einmal im Jahr einen solchen Feiertag hat, ist es natürlich etwas Besonderes und man will es sich dann ganz besonders schön machen. Zur Weihnachtsfeier gehört Essen ohne Ende vor einem großen Baum dazu, den Ihr nach mir benannt habt – Ihr schreibt es bloß falsch – und dann noch mehr Essen außer Haus, an Orten, die man Weihnachtsmärkte nennt und auf denen es kleine Sterne gibt, Jesusse und Marien, Glühwein in großen Gläsern, heißen Kakao, Reibekuchen (auf Jüdisch Latkes), Berliner Ballen, Gebackene Mäuse, Würste so groß wie Tomahawk-Raketen und Frikadellen, die wie Fußbälle aussehen.

Üblicherweise isst man all das an einem Abend und geht danach sofort ins Bett. Im neuen Jahr wacht man dann wieder auf und isst mehr oder weniger dieselbe Menge noch einmal, und dazu noch einen New York Cheesecake oder ein Baklava aus Palästina, als multikulturelle Zugabe.

Wenn alles vorbei ist – das wissen Sie bestimmt noch aus den vergangenen Jahren – haben Sie durchschnittlich hundert Kilo zugelegt und sehen aus wie die Kuh, deren Fleisch und Milch Sie zu Ehren von Jesus und Maria verzehrt haben. Die Atheisten unter Ihnen, die nicht glauben, dass es die Muttergottes und ihren Sohn je gab, haben sich dadurch noch nie davon abhalten lassen, dieses heilige Paar zu feiern.

Nun, ich habe Neuigkeiten für Sie, direkt aus dem Land von Jesus und Maria: Jesus ist nicht gestorben, damit Sie fett werden. Ich war in der Geburtskirche und in der Grabeskirche und habe diese Frage bis ins kleinste Detail mit jeder heiligen Seele sämtlicher christlicher Konfessionen besprochen, und nirgendwo habe ich auch nur den kleinsten Fitzel eines Beweises gefunden, dass Jesus gestorben ist, damit Sie fett werden dürfen.

Tut mir leid, dass ich Ihnen diese Nachricht überbringen muss. 

Kurz gesagt: Die Weihnachtsfeiertage sind keine Entschuldigung, dick und fett zu werden.

Was können Sie also tun, um dem Schicksal der ganz normalen nicht-jüdischen, nicht-muslimischen verfetteten Feiertage zu entgehen?

Erstens: Sie sind kein Schwein, noch nicht jedenfalls, und Sie müssen nicht wie eines essen. Wenn Sie auf einem Weihnachtsmarkt sind, oder irgendwo sonst, wo verlockende Speisen angeboten werden, bleiben Sie nicht stehen, um sich die Auslage anzusehen. Essen, vor allem dann, wenn es gut aussieht und toll riecht, kann stärker sein als jede Atombombe, die Iran zu bauen plant. Es ist unmöglich, ich wiederhole: unmöglich, neben einer herrlichen Wurst oder Rumkugel zu stehen und ihrer verführerischen Einladung zu widerstehen, Ihren Mund und Magen zu besuchen.

Also, was können Sie tun?

Wenn Sie diese verlockenden Teufelchen sehen, kämpfen Sie nicht gegen Sie, und versuchen Sie nicht, mit ihnen zu verhandeln. Sie sind nicht Außenminister John Kerry und Verhandeln ist nicht Ihr Metier. Das Einzige, was Sie tun können, wenn Sie Augenkontakt mit diesen Dingen haben, ist das: Wenden Sie sich ab, vor allem Ihre Augen. Sie hätten keine Kilos zu viel, wenn Ihre Augen Sie nicht dazu verführen würden, lecker aussehende Sachen zu essen.

Wenn Sie etwas Hübsches anschauen wollen, sehen Sie sich attraktive Menschen auf der Straße an und erfreuen Sie sich an ihrer Schönheit, dann wird Ihnen auffallen, dass es direkt vor Ihrer Nase erstaunlich attraktive Leute gibt. Wenn Sie eines dieser Wesen sind, denen nicht ganz wohl dabei ist, andere Menschen anzustarren, spazieren Sie zum nächsten superteuren Juwelier und genießen Sie das Glänzen polierter Diamanten, oder gehen Sie in eine exklusive Parfümerie und probieren Sie Düfte mit lustigen Namen aus. Sich Diamanten anzusehen hat noch niemanden dick gemacht. Durch das Riechen an Parfüms hat noch nie jemand ein Gramm zugenommen. Dafür bürge ich.