Sie sind die Könige des Fußballs: Spieler, die den Ball mit dem Fuß in einer Höhenlage treffen, die selbst für manchen Kopfballspezialisten unerreichbar ist – und die das Spielgerät so auch noch ins Tor befördern. Vielbegabte Kicker wie der Exturner Hugo Sanchez und der Kampfsportler Zlatan Ibrahimović haben Schönheitspreise für ihre Tore durch Fallrückzieher eingeheimst.

In Deutschland wurde der Fallrückzieher vor allem durch Klaus Fischers Länderspieltore 1977 gegen die Schweiz und 1982 im WM-Halbfinale gegen Frankreich eingeführt (Video). Der tragischste Held der Fallrückziehergeschichte ist aber wohl Karl-Heinz Rummenigge. Ihm erkannte 1984 im Europapokal-Spiel von Inter Mailand gegen die Glasgow Rangers der spätere Schiedsrichter-Obmann Volker Roth den Treffer wegen gefährlichen Spiels ab (Video, ab 0:36).

Wegbereiter für solch artistische Treffer war ein junger baskischer Auswanderer, der in seiner neuen Heimat Chile vor genau hundert Jahren den ersten nachgewiesenen Fallrückzieher in einem Spiel einsetzte. Der damals 19 Jahre alte Ramon Unzaga vollbrachte damit ein wahres Kunststück, das in einer späten Würdigung der Kolonialismus-Kritiker und Fußball-Liebhaber Eduardo Galeano so beschrieb: "Mit dem ganzen Körper durch die Luft, den Rücken zum Boden, schossen die Beine mit einem plötzlichen Überschlag den Ball nach hinten." Ereignisort war das Stadion Morro in der südchilenischen Hafenstadt Talcahuano. Es trägt heute seinen Namen.

Unzaga muss wie manche seiner Nachfolger ein kompletter Athlet gewesen sein. Chronisten erwähnen herausragende Leistungen im Schwimmen und in der Leichtathletik. Auf sich aufmerksam machte Unzaga zuerst in der Betriebsmannschaft der Kohlenmine der deutsch-chilenischen Unternehmerdynastie Schwager. Später wechselte er in die Fußballschule des wichtigsten Marinestützpunktes von Chile. Schon recht früh zeigte er dabei seinen beeindruckenden Trick. Er soll ihn später sogar mehrfach in einem einzigen Spiel eingesetzt haben.

Ramon Unzaga hätte es allerdings zu kaum mehr als einer lokalen Berühmtheit gebracht, wenn er nicht auch 1920 bei den Südamerika-Meisterschaften die Gelegenheit zur Akrobatik genutzt hätte. Die mitgereisten Berichterstatter aus den großen Fußballnationen Argentinien, Brasilien und Uruguay nannten das Kunststück fortan nur noch "la chilena" – die Chilenische.