Auf dem zentralen Fankongresses in Berlin sorgt ein Schreiben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) für Verärgerung. In dem Brief schreibt Jäger: "Straftäter reisen quer durch Deutschland, provozieren auf dem Weg zum Stadion Krawalle und Ausschreitungen."

"Diese Worte, die er an uns richtet, sind eine Kampfansage", sagte Sig Zelt von ProFans. Der Innenminister setze Fußballfans mit Intensivtätern gleich, gegen die in Zukunft noch härter vorgegangen werde. Die Art und Weise sei "erschütternd", betonte auch Jakob Falk von der Fanvereinigung. Er ärgere sich über die pauschalisierenden Aussagen des Schreibens.

Der Kongress stehe eigentlich für eine gewisse Differenzierung. Dass "eine Politik der harten Hand" zum Erfolg führe, könne er sich nicht vorstellen, sagte Falk. Der Sicherheitsexperte Helmut Spahn hält Deutschland im Bereich Sicherheit für vorbildlich: "Diese Probleme, die wir haben, hätten andere gerne", sagte der Geschäftsführer des International Centre for Sport Security (ICSS) in seinem Grußwort an die Teilnehmer der Veranstaltung.   

Spahn sagte, dass ein differenziertes Bild gezeichnet werden müsse: "Es gibt nicht die Polizei, es gibt nicht die Fans, es gibt nicht die Ultras." Bei dem Fankongress diskutieren rund 700 Fußballanhänger im ehemaligen Berliner Kino Kosmos über das Verhältnis von Fanklubs zur Polizei, über Rassismus und Antidiskriminierungsmaßnahmen.    

Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen hatte sich schon früher negativ über das Verhalten von Fußballfans in Stadien geäußert. Fanklubs des Bundesligisten Schalke 04 hatten im August 2013 seinen Rücktritt gefordert. Der Innenminister hatte zuvor mit einem Großaufgebot der Polizei den Fanblock der Gelsenkirchener wegen eines politischen Banners stürmen lassen. Eine Einladung zum Fußballkongress lehnte Jäger kurzfristig ab. Grundsätzlich sei er an einem Austausch mit den Fans interessiert, war in seinem Schreiben zu lesen. Bengalische Feuer hätten in Stadien jedoch nichts zu suchen.  

Derweil wurde ein Fußballfan bei einer Schlägerei in Köln schwer verletzt. Der Mann ist nach Behördenangaben mittlerweile außer Lebensgefahr. Zu den Ausschreitungen zwischen etwa 300 Fans war es am Rande des Testspiels zwischen dem Zweitliga-Spitzenreiters 1. FC Köln und dem Bundesligisten FC Schalke 04 gekommen.