Bei den Olympischen Spielen geht es auch um Sport. Deshalb hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entschieden, Maria Höfl-Riesch die deutsche Fahne tragen zu lassen.

Die Skifahrerin Höfl-Riesch ist eine der erfolgreichsten deutschen Sportlerinnen. Sie ist zweifache Olympiasiegerin, zweifache Weltmeisterin, gewann ein Mal den Gesamtweltcup. Die 29-Jährige fährt seit über einem Jahrzehnt Weltcuprennen, seit einigen Jahren dauerhaft in der Weltspitze. Als Allrounderin gilt sie in Sotschi in vier von fünf alpinen Disziplinen als Medaillenkandidatin, wenn nicht gar als Favoritin. Nur der Riesenslalom fällt ihr schwer.

Höfl-Riesch ist eine der wenigen bekannten Gesichter des deutschen Wintersports, nicht zuletzt seit ihrem seifenoperwürdigem Streit samt Versöhnung mit ihrer Freundin und Rivalin Lindsey Vonn vor einigen Jahren. Dennoch oder gerade deswegen haben Millionen deutsche Wintersport-Fans Höfl-Riesch und ihr nettes Lachen ins Herz geschlossen.

Der DOSB hätte Sotschi aber auch zum Anlass nehmen können, andere Kriterien an den Tag zu legen: politische. Felix Neureuther wäre eine gute Wahl gewesen. Er ist wahrlich auch kein Revoluzzer, hat aber mehrfach den Gigantismus und die Milliardenkosten der Putin-Spiele kritisiert und sich für die Einhaltung von Menschenrechten ausgesprochen. "Es kommt so rüber, dass der Kommerz im Vordergrund steht. Ich sehe aber nicht ein, dass das so sein soll", sagte der Slalomfahrer.

Von Neureuther wird man womöglich auch während der Spiele solche Einwände hören, von Höfl-Riesch eher nicht. Sie hält die Nähe zum Kreis der Mächtigen im Sport. Ihr Mann ist der Berater Franz Beckenbauers, dem Fußballkaiser und Gazprom-Botschafter.

Auf sportpolitischem Parkett kann sich Höfl-Riesch nicht halb so elegant bewegen wie auf der Piste zwischen den Stangen. Ein Beispiel: Höfl-Riesch, die im österreichischen Kitzbühel lebt, unterstützte die Olympia-Bewerbung Münchens und die ihres Heimatortes Garmisch-Partenkirchen. Als die Bewerbung im November am Votum der Bürger scheiterte, reagierte sie hilflos: "Ich habe gar nichts mitbekommen, weil ich schon lange nicht mehr in Garmisch war. Ich lebe in Kitzbühel, aber ich dachte, Garmisch wäre gar kein Problem."

Für den DOSB sei Höfl-Riesch daher die bequeme Lösung, schreibt die FAZ. Eine weit unbequemere wäre Claudia Pechstein gewesen. Der DOSB zählte auch sie zu den Kandidatinnen, offenbar um sie für eine wahrscheinlich ungerechte Doping-Sperre zu entschädigen. Pechstein beleidigt mitunter Rivalinnen und Teammitglieder, sie ist auf einem Rachefeldzug, hätte die Fahne mit finsterer Miene ins Stadion getragen. Doch dafür ist diese Rolle zu schade.

Mit Maria Höfl-Riesch ist deutschen Sportfans hingegen garantiert, dass diese finsteren Spiele von Sotschi mit einem strahlenden Lachen beginnen.