Einen Tag vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Unterstützung von Homosexuellen aufgerufen. "Wir alle müssen unsere Stimme gegen Angriffe auf Lesben, Schwule, bisexuelle, transsexuelle und intersexuelle Menschen erheben", sagte er in einer Rede vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Sotschi. "Wir müssen gegen Festnahmen, Inhaftierungen und diskriminierende Restriktionen, denen sie ausgesetzt sind, aufbegehren."

Dieser Appell richtet sich vor allem an den Olympia-Gastgeber Russland und an Kremlchef Wladimir Putin, der wegen seines Anti-Homosexuellen-Gesetzes international in der Kritik steht: In dem Land gilt ein Verbot, in Gegenwart von Minderjährigen positiv über Homosexualität zu sprechen, was mit Geldstrafen geahndet wird. Einzelne Sportler, Künstler und Politiker hatten zum Boykott des Sportgroßereignisses aufgerufen, nachdem auch die gewaltsamen Übergriffe auf Homosexuelle in Russland zuletzt zugenommen hatten.

Protest kommt auch von mehr als 200 Schriftstellern und Autoren, darunter die Nobelpreisträger Günter Grass, Elfriede Jelinek und Orhan Pamuk sowie weltbekannten Autoren wie Salman Rushdie, Margaret Atwood und Jonathan Franzen. Sie alle protestieren in einem in der britischen Zeitung Guardian veröffentlichten offenen Brief gegen die russischen Homosexuellen- und Blasphemiegesetze.

Autoren fordern Ende des "Würgegriffs"

Die Unterzeichner prangerten die Bestimmungen als Würgegriff an. "Eine gesunde Demokratie muss die unabhängigen Stimmen aller ihrer Bürger hören", heißt es in dem Schreiben. Die Weltgemeinschaft müsse die Vielfalt der russischen Meinung hören "und von ihr bereichert werden". Daher fordern die Autoren die russische Regierung auf, die Gesetze, die eine "freie Meinungsäußerung außer Kraft setzen", wieder aufzuheben.

An diesem Freitag beginnen die Olympischen Winterspiele in der Schwarzmeerstadt Sotschi und dauern bis zum 23. Februar an. Eingeleitet wurde das Großereignis von der 126. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees, die erste unter Leitung des neuen deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach. Diskutiert werden sollen die drei Hauptthemen Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit und Jugend, am ersten Tag bestimmte vor allem die Debatte um die horrenden Kosten von Olympia.

IOC plant Vergabe-Reform

Mit 50 Milliarden Dollar gelten die aktuellen Winterspiele in dem Bade-Ort am Schwarzen Meer als die teuersten aller Zeiten – was das öffentliche Misstrauen gegen das IOC-Event weiter steigerte. Hinzu kamen im Fall der russischen Gastgeber Vorwürfe wegen Korruption, die Nähe zu der Krisenregion im Nordkaukasus sowie zuletzt die Kampagne gegen Homosexuelle. Auch deshalb bleiben zahlreiche Spitzenpolitiker wie Bundespräsident Joachim Gauck, Frankreichs Präsident François Hollande oder der britische Premier David Cameron den Spielen in Sotschi, die als Prestigeobjekt von Präsident Wladimir Putin gelten, fern.

So erwägt das IOC eine Änderung des Vergabeverfahrens. Schon die Ausschreibung der Spiele müsse neu geregelt werden, forderten mehrere Mitglieder. Die tatsächlichen Ausgaben für Olympia-Gastgeber müssen klarer kommuniziert werden, so die allgemeine Meinung. Derzeit werde die Öffentlichkeit verwirrt, weil die operativen Kosten und die Milliarden-Beträge für infrastrukturelle Maßnahmen vermischt würden. Entscheiden will das IOC aber erst auf einer außerordentlichen Versammlung im Dezember in Monte Carlo, wo ein Strategiepapier mit dem Titel "olympische Agenda 2020" abgesegnet werden soll. Am Ende der Tagung in Sotschi sollen zunächst diverse Kommissionen und Arbeitsgruppen gebildet werden.