Mein Freund Wladimir Putin geht zurzeit äußerst gerissen vor, und unsere westlichen Staatsoberhäupter sind deshalb sauer auf ihn und beschließen – tapfererweise, das muss ich sagen –, das Abendessen abzusagen, das sie vor einiger Zeit mit ihm abgemacht hatten, vielleicht sogar das Mittagessen. Anders als ich es vorhergesagt hatte, lassen Obama und Merkel und der Rest der G-7-Gang die Muskeln spielen und beweisen damit gewaltigen Mut.

Ich persönlich würde sie deshalb aus der Pflicht entlassen, doch viele westliche Journalisten, vor allem die, die zu dem Abendessen gar nicht eingeladen waren, drängen Präsident Obama dazu, Stärke zu zeigen. Diese Journalisten beschäftigen sich rund um die Uhr mit Wladimir und der Ukraine und fordern, dass unsere tapferen Staatslenker noch härter durchgreifen.

Und Obama kommt der Forderung nach. Im Namen des Völkerrechts, der Prinzipien der Demokratie, des Humanismus und vieler anderer solcher Dinge lässt er ein militärisches Aufklärungsflugzeug, das technisch geniale Awacs, über der Ukraine herumfliegen.

Doch gerade als das Awacs in der Nähe Russlands fliegt, verschwindet an einem anderen Teil des Himmels ein Flugzeug der Malaysian Airlines, mit 239 Passagieren an Bord.

Erst wird dieser Geschichte in den amerikanischen Medien nicht viel Raum gegeben, denn, na ja, 45 Millionen in der Ukraine sind natürlich wichtiger als 239 Menschen in der Luft.

Doch dann, einen oder zwei Tage später, erfahren wir, dass zwei Iraner, die sich als Europäer ausgegeben hatten, an Bord des Flugzeugs waren. Dieser Umstand, zwei Muslime als europäische Atheisten verkleidet, ändert sie Situation komplett. Sofort stürzen sich die amerikanischen Journalisten auf die Flugzeuggeschichte und vergessen die 45 Millionen Ukrainer fast vollständig. Seien wir ehrlich, zwei Iraner in der Luft sind die bessere Story als Millionen von Ukrainern am Boden.

Unter uns, und verraten Sie es nicht weiter: Die verschiedenen Geschichten, die wir jetzt über das verschwundene Flugzeug hören – und die die Aufmerksamkeit der amerikanischen Medien auf sich ziehen – werden von Wladimirs Agenten gestreut. Wieso? Ganz einfach: Wladimir war es leid, sich das Gemecker der amerikanischen Medien über ihn anzuhören, also wirft er ihnen etwas anderes hin, mit dem sie sich beschäftigen können.

Und woher weiß ich dieses Staatsgeheimnis? Na ja, dieser Tage sehe ich alles ganz klar. Ich bin zu einem superschlauen Menschen geworden. Ihnen kann ich's ja verraten: Ich bin jetzt ein Fitbit-Mann. Ja. Ein Fitbit-Flex-Armband-Besitzer!

Vor ein paar Tagen habe ich meinem Fitbit verraten, wie ich mich persönlich sehe: als gut aussehender junger Mann, der auf dem Weg ist, 20 Pfund abzunehmen. Und jetzt schnalle ich mein mit diesen Informationen gefüttertes Fitbit Flex um, gehe raus auf die Straße und spaziere los.

Wenn ich es mit meinem iPhone synchronisiere, weiß mein Armband jederzeit genau, wie viele Schritte ich an einem durchschnittlichen Tag absolviere und wie viele Kilometer ich in 24 Stunden fresse. Mein Ziel: zwischen zwei und drei Kilometer am Tag, oder zwischen 3.000 und 5.000 Schritte. Ich habe in irgendeinem Fitbit-Buch gelesen, dass ein durchschnittlicher Mensch 5.000 Schritte am Tag geht, und ich möchte gerne "durchschnittlich" sein.

Wohin soll ich gehen? Ich weiß es nicht. Ich gehe einfach.

Nach zwanzig Minuten Gehen stehe ich vor einem Museum, dem Sex-Museum. Ich liebe Museen und sage mir, dass durch ein Museum zu gehen ebenfalls fit macht. Stimmt doch, oder? Ich beginne meinen Museumsbesuch im Souvenirshop, wo ein netter Spanier versucht, mir den allerneuesten Vibrator zu verkaufen. Offenbar hält mich der Typ für eine Frau. Ich glaube, mein Flex lässt mich weiblicher erscheinen. Ich soll den Vibrator in meine Vagina stecken, rät er mir. Großartige Idee, doch bevor ich vor orgasmischem Vergnügen aufschreie, verlasse ich das Museum und gehe weiter durch die Straßen, um über Wladimir und Vibratoren nachzusinnen.

Zwischen Gedanken zu russischen Führern und spanischen Verkäufern finde ich die Zeit, ganz vorsichtig auf mein Flex zu tippen. Auf dem Armband befinden sich fünf kleine Punkte, die je nach zurückgelegter Strecke aufleuchten. Ein Lämpchen bedeutet, dass ich gerade erst losgelaufen bin. Fünf Lämpchen bedeuten, dass ich mein Soll für den Tag erfüllt habe. Jetzt gerade leuchten mich drei Lämpchen freundlich an.