Entwicklungsminister Gerd Müller hat erneut die umstrittene Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar kritisiert und ein Handeln des Weltverbands Fifa angemahnt. "Ich halte die Entscheidung für Katar für ein krasses Fehlurteil", sagte der CSU-Politiker der Welt am Sonntag.

"Wenn die Fifa klug ist, revidiert sie die Entscheidung. Es ist nicht mehr zeitgemäß, eine Fußball-WM abgehoben von den Menschen zu machen und soziale und ökologische Standards zu ignorieren", sagte Müller. Das gelte auch für Brasilien, Gastgeber der WM in diesem Sommer. "Dort wurde in Manaus ein Stadion mitten in den tropischen Regenwald gebaut, ohne die Nachnutzung zu klären", sagte Müller.

Der WM-Gastgeber Katar steht bereits seit Längerem in der öffentlichen Kritik. Unter anderem werden die Menschenrechtssituation und die Arbeitsbedingungen für ausländische Arbeiter kritisiert. Bei den Vorbereitungen für die Fußball-WM 2022 sollen in dem Land 185 nepalesische Arbeiter gestorben sein.

Ausbeutung und Bestechung

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte in einem Bericht ein "alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit" festgestellt. Daraufhin hatte der Chef des WM-Organisationskomitees, Hassan al-Thawadi, im Februar neue Richtlinien für die Arbeiter im Emirat am Persischen Golf verabschiedet. International anerkannte Standards sollen seitdem angeblich die Rechte der Arbeitskräfte von der Einstellung bis zur Beendigung der Zusammenarbeit regeln.

Umstritten sind neben dem Umgang mit den Arbeitern auch die Umstände der WM-Vergabe an Katar. Bei der Entscheidung für den Austragungsort Katar ist laut einem Bericht Geld an den Fifa-Offiziellen Jack Warner geflossen. Die englische Zeitung The Telegraph hatte im März berichtet, der frühere Vizepräsident des Weltfußballverbands Fifa, Jack Warner aus Trinidad und Tobago, sowie seine Familie hätten kurz nach der Entscheidung umgerechnet fast 1,5 Millionen Dollar bekommen.