Vor kurzem bat mich ein Redakteur von ZEIT ONLINE während der Buchvorstellung von Fett wie ein Turnschuh, den Zuschauern zu erzählen, wie ich mich beim Training in einem Fitnessstudio fühle, so als fetter Mann unter den fitten Nicht-Fetten. Dieser Frage lag, nehme ich an, die Auffassung zu Grunde, dass ich mich ihnen unterlegen fühlen müsste.

Das ist ein interessantes Konzept, mit dem ich mich heute mit Ihnen gemeinsam auseinandersetzen möchte. Die Frage des Redakteurs impliziert natürlich, dass ein Mensch umso attraktiver ist, je schlanker er oder sie ist. Aber ist das wirklich der Fall?

Wenn es so ist, sollte ich tatsächlich glücklich sein, wenn ich im Fitnessstudio bin. Schließlich kann ich beim Trainieren den attraktivsten Menschen der Welt zusehen, den schwitzenden, muskulösen, glücklich fettfreien Männern und Frauen. Doch eigentlich bin ich mir gar nicht sicher, ob diese schwitzenden Wesen attraktiver sind als ich.

Ja, richtig gelesen.

Zunächst einmal entspricht der durchschnittliche Fitnessstudiobesucher nicht meiner Definition von "sexy". Tut mir leid, aber von schwitzenden Menschen geht ein Geruch aus, der für mich das Gegenteil von Attraktivität bedeutet. Und wenn Sie selbst auch nur einmal in einem Fitnessstudio waren, wissen Sie, was ich meine.

Aber vergessen wir den Schweißgeruch fürs Erste und konzentrieren wir uns auf das sexy Image der Fitten und Dünnen im Gegensatz zum "Fauler-Sack"-Image, das die Gesellschaft den untrainierten Fetten oft zuschreibt.

Bevor wir über die unsexy Fetten und die sexy Dünnen reden, müssen wir zunächst das Wort "sexy" definieren. Was genau ist sexy, und wer entscheidet überhaupt, wer sexy ist und wer nicht?

Vor gar nicht langer Zeit – und wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie Ihre Mama – waren Frauen ganz verrückt nach Männern, die 24 Stunden am Tag eine Zigarette auf den Lippen hatten. Damals war ein von Rauch umhülltes Männergesicht die Definition von sexy. Und wenn Männer die Damen noch mehr beeindrucken wollten, rauchten sie Marlboro. Ja, ja. Das ist die Wahrheit.

Für unsere Mamas standen Marlboro-rauchende Männer für Ausdauer, Kraft, Mut, Reichtum, guten Geschmack, Männlichkeit und waren – wie Sie bestimmt schon erraten haben – "sexy". Männer mochten fett sein, total übergewichtig, doch das war egal, solange sie Marlboro rauchten. Und weil sie Männer waren, verhielten sich die Männer entsprechend: Sie steckten einen Großteil ihres Geldes in die Produktion von Asche und Qualm.

Zugegeben, nicht alle Menschen fanden Rauchen sexy. Zum Beispiel galt Rauchen unter dem Nazi-Regime als schlechte Angewohnheit. Historisch gesehen war das Nazi-Regime sogar das erste, das aus Gesundheitsgründen gegen das Rauchen vorging. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Nazis die ersten in Europa waren, die sich Vegetarismus und Tierschutz predigten. Für sie machte nicht die Marlboro einen sexy Mann aus, sondern ein kleiner Bart direkt unter der Nase. Frauen – dies ist eine nicht zu leugnende historische Tatsache – waren verrückt nach Männern mit kleinen Schnurrbärten.

Ja.

In unserer Generation sind die Menschen viel schlauer, das weiß jeder. Wir sind extrem intelligente Wesen und haben die perfekte Formel des Sexy-Seins gefunden: Wenn Du dünn bist und dreckige, zerrissene Jeans trägst, bist Du automatisch unglaublich sexy.

Ja.

Wie sind wir beim Definieren von "sexy" von kleinen Schnurrbärten und Marlboros zu zerrissenen Jeans und dreckiger Kleidung gekommen?