Fazit: Ein 0:1 in Madrid, es gibt schlimmere Ausgangspositionen, fragen Sie nach bei Borussia Dortmund. Dennoch macht diese Hinspiel-Niederlage des FC Bayern irgendwie wenig Mut. Nur zwei Torchancen in 90 Minuten, viel Ball, aber wenig Ideen, und gar nichts Überraschendes – die Münchner pickten sich in Madrid nur das Schlechteste aus dem Guardiola-Fußball heraus. Auch nicht das beste Zeichen, dass Philipp Lahm, Arjen Robben und der Trainer sich in den Interviews nach dem Spiel einig waren, dass das alles so ganz okay war. Man wagt es ja kaum zu schreiben, aber das klingt und mutet doch alles etwas zu, ja, kuschelig an. Matthias Sammer, übernehmen Sie! Was ist nur mit den Superbayern passiert, die vor einigen Wochen noch vor Selbstbewusstsein fast geplatzt sind? Oder anders: Ist die Antwort auf die Frage dieser großen, britannischen Barden wirklich Augsburg?

Vorbemerkungen:

Bis vor Kurzem dachte man, Matthias Sammer sei ein großer Worteerfinder. Es gehe beim FC Bayern zu wie in einer "Kuscheloase", sagte er neulich – aber was bitte sollte das sein? Dem Freund des lustigen Wüstenspaziergangs ist die Flusswasser-, Grundwasser- oder Quellwasseroase bekannt. Die wenigen Menschen, die verstehen, was Matthias Sammer immer so herummeint, vermuteten, der Sportdirektor des FC Bayern schimpfte über zu viel Harmonie und Selbstzufriedenheit im Team. Doch stimmt das?

Knallharte Recherche führt zur echten Kuscheloase: "Mieten Sie unsere Räumlichkeiten für erotische Abwechslung." (Aus Gründen des Jugendschutzes verzichten wir auf einen Link.) Diese Räumlichkeiten sind in Chemnitz, Gera und Zwickau zu mieten – also nur einen Seitensprung von Sammers Geburtsort Dresden entfernt. Er scheint Bescheid zu wissen. Prangert der knorrige Sachse also nur Unmoralisches an? Es ist jedenfalls ein übler Verdacht mit im Charterflieger nach Madrid gereist.

Wie viele zwischenmenschliche Nähe es dort heute, im Champions-League-Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid geben wird, bleibt eine der spannenderen Fragen des Abends. Die andere: Wer wird eigentlich dieses Fußballspiel gewinnen? Vor ein paar Wochen hätte man noch gedacht: Kein Problem, die Superbayern sind so super, dass sie selbst dem spanischen Club der Superlative überlegen sind. Doch dann machte Pep Guardiola den Pofalla, erklärte das Anstrengen in der Bundesliga für beendet und musste mit ansehen, wie auf einmal vieles verloren ging: erst Spiele, dann das Selbstvertrauen, zum Schluss die gute Laune.

Der Gegner aus Madrid lacht sich ins Fäustchen. Auch dort ist das Selbstvertrauen etwas angeknackst, nachdem die Mannschaft vor zwei Wochen von einem Dortmunder Schnellzug überfahren wurde. In der Liga reicht es derzeit nur für Rang drei. Einzig der spanische Pokal war ein Trost, als ein gewisser Gareth Bale seine Schnellzug-Interpretation aufführte. Doch wirklich überzeugenden Fußball spielten die Madrilenen auch an diesem Tag nicht. Kein Wunder also, dass Paul Breitner vor dem Spiel guter Dinge ist.

Wir bloggen hier ab 20.30 Uhr live. Unterstützung bekommen wir von Oliver Fritsch, unserem Mann in Madrid, der aus dem Stadion twittern wird. Bis dahin zum Zeitvertreib noch ein paar Leseempfehlungen:

Besagter Oliver Fritsch klärt die Frage, ob Pep Guardiola aus Versehen die Bayern geschrumpft hat. Die Kollegen von der SZ porträtieren Reals Anti-Kuschel-Verteidiger Pepe, den Mann mit den Scherenbeinen. Die FAZ kümmert sich um den Ego-Sprinter Gareth Bale. Und wer 4-2-3-1 nicht für einen missglückten Abzählreim hält, wird sich über die fünf Fragen (samt Antworten) der Taktiknerds von spielverlagerung.de freuen.