Herbert Hainer und Uli Hoeneß im Jahr 2011 © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Im Alter von 51 Jahren starb Horst Dassler 1987. Seine Spuren sind bis heute sichtbar. Er war nicht der einzige Adidas-Chef, der mit Geld Freundschaften pflegte. Robert Louis-Dreyfus, von 1993 bis 2001 an der Konzernspitze, lieh Uli Hoeneß, damals Manager des FC Bayern, um das Jahr 2000 die Zockermillionen. 2002 kaufte Adidas für rund 77 Millionen Euro zehn Prozent der Bayern München AG.

Adidas bestreitet den Zusammenhang, ohnehin wäre der Vorfall juristisch verjährt. Zyniker jedoch sagen, das Darlehen des zwischendurch verurteilten und inzwischen verstorbenen Louis-Dreyfus habe sich rentiert. Was sich auf jeden Fall sagen lässt: Ein Deal mit Beigeschmack ist die Grundlage des Aufstiegs Hainers an die Spitze Bayern Münchens.

Solche Verquickungen zwischen Privatem mit Geschäftlichem schaden dem freien Wettbewerb – und der Konkurrenz wie Nike zum Beispiel. Mit den Amerikanern verhandelten die Bayern mehrfach, etwa zu Zeiten, als Franz Beckenbauer Präsident war. Mit Nike ist ein weiteres heikles Kapitel von Adidas verknüpft, das bis in die Gegenwart wirkt: der aktuelle Sponsorenvertrag mit dem DFB.

Adidas ist Teil der deutschen Fußballkultur, 1954 bestollte Adi Dassler Sepp Herbergers Helden von Bern. Doch 2006 wollte Nike den DFB abwerben und bot 500 Millionen Euro für zehn Jahre. Das war das Fünffache von dem, was Adidas zahlen wollte.

Der damalige Präsident Theo Zwanziger überlegte öffentlich. Darauf erhielt er Anrufe von ehemaligen Nationalspielern, die ihn überreden wollten, bei Adidas zu bleiben und mit Stimmungsmache drohten. Ein abschreckendes Beispiel konnte Zwanziger an Oliver Bierhoff beobachten. Der DFB-Manager und ehemalige Nike-Repräsentant übergab das Angebot von Nike an den DFB und wurde von Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstand des Adidas-Clubs Bayern, in der Presse als "Ich-AG vom Starnberger See" verspottet. Zwanziger beschreibt das alles in seinem Buch Die Zwanziger Jahre.

Am Ende stand ein Kompromiss: Adidas verdoppelte die Zahlungen auf 20 Millionen Euro jährlich und bekam den Zuschlag bis 2018. Das ist weit unter Marktwert, schätzen Experten. Nike warb Adidas darauf den französischen Fußballverband ab, der erhält nun mehr als 42 Millionen im Jahr. Die Marketing-Abteilung des DFB erhielt Medienberichten zufolge Dankesanrufe von den französischen Kollegen.

Einfluss auf die Aufstellung der Nationalelf?

Dem DFB entgeht also noch heute jährlich eine achtstellige Summe; viel Geld für einen gemeinnützigen Verband. Adidas hingegen spart Geld, das dann zum Beispiel für den FC Bayern übrig ist. Gegenüber kleineren Bundesligaclubs soll Adidas weniger großzügig sein.

Zwanziger sagte 2007 über die Beziehungen zwischen Adidas und dem deutschen Fußball, es gebe "lange Lohnlisten". Eine heikle Andeutung, die folgenlos blieb. Zwanzigers Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder hatte bereits 2002 seine Entscheidung für Adidas und gegen Nike getroffen – unbeobachtet zwischen Weihnachten und Neujahr.

Adidas hat viele Verbündete, nicht nur Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer. Seilschaften prägen bis heute den Fußball und die Debatten. Ein jüngeres Beispiel: Als die Uefa im März die umstrittene Nations League gründete, stöhnte die Bundesliga wegen der zusätzlichen Belastung für die Vereine. Nur Rummenigge fand die Idee gut. Ob er das wirklich so sah? Jedenfalls wird Adidas von diesem neuen Wettbewerb profitieren, das gälte auch für eine EM 2024 in Deutschland. Die drei Streifen würden noch öfter im TV zu sehen sein. 

Vielleicht reicht der Arm des Großsponsors sogar noch weiter: Stimmen die Berichte, hat Adidas die Profikarriere eines deutschen Fußballers, den Adidas unter Vertrag genommen hatte, der aber zu einem Nike-Club wechseln wollte, durch juristische Drohungen beendet. Er könne sich vorstellen, dass Adidas versucht habe, auf die Aufstellung der Nationalelf Einfluss zu nehmen, sagt ein prominenter Bundesliga-Profi.