Alle lieben die Bundesliga, auch wir. Uns entgeht kein Tor und keine Nachricht. Und was haben wir die Bayern besungen. Doch heute sind wir Miesmacher, denn die Bundesliga ist nicht mehr so wie sie mal war. Hier ist unser zehnteiliger Klagenkatalog, warum man froh sein muss, dass diese Saison endlich vorbei ist:

1. Gut, dass die Saison vorbei ist, weil es einen Trend zum Dritttrainer gab.

Der Trainer war schon immer der Sündenbock. In dieser Saison haben immerhin nur fünf von achtzehn Vereinen ihren gewechselt (Mainz nicht mitgezählt), weniger waren es zuletzt vor vierzehn Jahren. Doch drei Sportdirektoren wurden gleich zwei Mal aktiv: Fredi Bobic entließ in Stuttgart Bruno Labbadia und Thomas Schneider, Oliver Kreuzer beim HSV Thorsten Fink und Bert van Marwijk, Martin Bader in Nürnberg Michael Wiesinger und Gertjan Verbeek. Gebracht hat das nicht sehr viel. Verbeek ging zweieinhalb Wochen vor Ende  – ohne Wirkung. Mirko Slomka hat die Hamburger Niederlagenserie nur kurz unterbrochen, konnte sie gerade noch in die Relegation retten. Nur der VfB hat sich mit Huub Stevens gerettet. Aber auch nur, weil halt nicht alle absteigen können. Diese Fälle zeigen: Einige Manager wissen offenbar nicht, welchen Typ Trainer sie haben wollen, was überhaupt ein Trainer können muss. Vielleicht wird es Zeit für neue Sündenböcke.

2. Gut, dass die Saison vorbei ist, weil aus Tradition Gedöns wurde.

Vereine wie Hoffenheim oder Leipzig werden verachtet, weil sie keine Tradition haben. Tradition ist schön und gut. Aber nicht, wenn mit ihr Bundesliga-Zugehörigkeit gerechtfertigt wird. Und wenn bei dieser Diskussion auf der Strecke bleibt, wie schlecht in manchem Traditionsverein gearbeitet wird. Siehe Hamburg, siehe Stuttgart, siehe auch ein bisschen Bremen. Wenn sogar Steuersubventionen in mehrfacher Millionenhöhe verschleudert werden, wie im traditionellen Kaiserslautern oder im traditionellen Rostock, sollten allen Fans die privaten Millionen von Red Bull und Dietmar Hopp lieber sein.

3. Gut, dass die Saison vorbei ist, weil Fans Fans angriffen.

Es muss irgendwann in den wilden Achtzigern oder noch früher gewesen sein, dass zuletzt eine Fan-Gruppe eine andere in einem Bundesliga-Stadion attackierte. In dieser Saison war es wieder so weit. Wenige Minuten nach dem Spiel in Mönchengladbach im September griffen rechte Braunschweiger Hooligans eine antifaschistische Gruppe, auch aus Braunschweig, an. Es kam zu Verletzungen, die Polizei verhinderte Schlimmeres. Es war der Tiefpunkt eines jahrelangen halb politischen, halb kulturellen Konflikts, den man auch an kleineren Standorten wie Aachen und Duisburg beobachtet. Die Braunschweiger Vereinsführung bestrafte die Opfer mit einem Gruppenverbot im Stadion, die Fahne der Täter hingegen hängt bei Heimspielen noch heute am Zaun. Die Eintracht hat das Faustrecht eingeführt. Das ist auch deswegen schade, weil die engagierte Elf und ihr Trainer so viel Sympathie gesammelt haben und die Stimmung im Eintracht-Stadion auch bei Niederlagen mitreißt.

4. Gut, dass die Saison vorbei ist, weil alle vor den Bayern kapitulierten.

Vor der Saison sagte Thomas Tuchel, jetzt sei es mal gut mit den vielen Bayern-Siegen. Im Vorjahr hatten die Münchner unter Jupp Heynckes das Triple gefeiert, nur ein Mal in der Liga verloren. Es kam anders als es der Ex-Mainzer Trainer forderte. Unter Pep Guardiola wurden die Münchner noch stärker, wurden in Rekordzeit Meister. Bis zum Titelgewinn verloren sie nicht ein einziges Mal, das gab es nie zuvor. Selbst Schalke (0:4, 1:5) und Wolfsburg (1:6) kamen unter die Räder, Frankfurt ließ Stammspieler zu Hause, Leverkusen ermauerte sich, unwürdig, ein Unentschieden, auch Dortmund verlor zu Hause 0:3. Und auch Mainz verlor zwei Mal. Die Bayern waren sehr lange sehr super, doch auch weil die Konkurrenz vor ihnen kapitulierte. Laaangweilig

5. Gut, dass die Saison vorbei ist, weil die Bayern, als sie sollten, nicht mehr konnten.

Als man sich mit der Bayern-Dominanz abgefunden, einen Gefallen daran gefunden hatte, war sie auch schon wieder Vergangenheit. Plötzlich sagte Guardiola, die Bundesliga sei vorbei. Mit dieser Geringschätzung verschenkte er Spiele und Siegesserien. Die Mannschaft verlor das Momentum, der Trainer rotierte sie aus der Erfolgsspur. Und dann, als ihnen das Land die Daumen drückte, ließ sich der Meister von der Protz-Elf eines spanischen Schuldenclubs aus der Champions League hauen. Viel gewonnen, Bayern, aber auch einiges falsch gemacht.