Geld schießt doch Tore: RasenBallsport Leipzig hat den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga perfekt gemacht. Gegen den als Absteiger feststehenden 1. FC Saarbrücken setzte sich die Mannschaft von Trainer Alexander Zorniger souverän mit 5:1 (4:0) durch. Vor der Rekordkulisse von 42.713 Zuschauern sorgten Dominik Kaiser mit drei Toren und Daniel Frahn mit einem Doppelpack am vorletzten Spieltag der 3. Liga für den höchsten Saisonsieg der Messestädter.

Der vom Getränkekonzern Red Bull finanzierte Club strebt mit aller Macht in die Bundesliga. Vor fünf Jahren merkten viele Fußball-Fans erstmals auf: Im Gewand eines normalen Vereins tauchte das Marketinginstrument des österreichischen Brauseherstellers auf. Um die Buchstabenkombination RB im Vereinsnamen zu haben, taufte Red Bull den Klub "RasenBallsport".

Der Start verlief allerdings holprig. Nachdem Leipzig, das vom Fünftligisten SSV Markranstädt das Spielrecht erwarb, um nicht ganz unten anfangen zu müssen, problemlos durch die Oberliga marschierte, stockte RB in der Regionalliga. Zweimal mussten die Leipziger finanzschwächeren Clubs den Vortritt Richtung 3. Liga lassen. Investitionen von geschätzt 100 Millionen Euro durch Mäzen Dietrich Mateschitz brachten zunächst nur die Infrastruktur auf Bundesliganiveau, etwa mit einem der modernsten Trainings- und Nachwuchszentren.

Sportlich aufwärts ging es erst, seit Ralf Rangnick in Leipzig als Sportdirektor tüftelt. Er brachte im Sommer 2012 Trainer Alexander Zorniger mit und kündigte eine neue Zeitrechnung an. RB stieg zweimal auf und schaffte nun als erstes Team den Durchmarsch "ab durch die Dritte", wie die Marketing-Abteilung das Saisonziel als Slogan ausgab. Zorniger setzte auf aggressiven Pressing-Fußball, der nicht immer schön anzuschauen, aber das richtige Mittel für die ausgeglichene 3. Liga ist. Dass die von Rangnick deutlich verjüngte Mannschaft über große individuelle Qualität verfügt, zeigte sich vor allem in den Duellen mit den anderen Top-Teams aus Heidenheim und Darmstadt.

Zuletzt schaute sich Mateschitz erstmals das Projekt persönlich an – und mit ihm mittlerweile im Schnitt mehr als 15.000 Zuschauer, in den letzten beiden Spielen sogar rund 40.000 Fans. In der Messestadt hat es der Verein geschafft, eine Euphorie zu entfachen und die abgestürzten Traditionsvereine 1. FC Lokomotive und BSG Chemie Leipzig hinter sich zu lassen.

Viele Hürden für die Lizenz

Unklar ist aber, ob die Deutsche Fußball-Liga (DFL) dem Verein die Lizenz für die 2. Bundesliga erteilt. Im ersten Durchgang forderte der Ligaverband ein neues Logo, eine von Geldgeber Red Bull unabhängigere Besetzung der Führungsgremien sowie geringere Hürden für neue Mitglieder. Der Club bewegt sich mit seiner Satzung und einem kleinen elitären Kreis aus Red-Bull-Mitarbeitern, die als einzige neun stimmberechtigte Mitglieder die Führungsgremien bilden, im Graubereich des Vereinsrechts.

RB Leipzig hebelt außerdem die 50+1-Regel als eingetragener Verein aus und erregt damit viele Gemüter. "Das ist eine echte Provokation für das Regelwerk des deutschen Fußballs", sagte Christian Müller, von 2001 bis 2010 DFL-Geschäftsführer, bei WDR sport inside: "Ich empfinde das als Finanzdoping und habe auch wenig Respekt für die sportlichen Leistungen."

Den Fans von RasenBallsport Leipzig ist das egal, bei der Aufstiegsfeier sangen sie: "Nie mehr 3. Liga, nie mehr, nie mehr."