Dominik Stroh-Engel (links) © Karina Hessland/Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE: Was muss man im Strafraum können?

Stroh-Engel: Man braucht schnelle Reflexe und muss wissen, wohin der Ball kommt, am besten früher als der Gegner. Im Strafraum zählt der Instinkt. Nicht zögern! Nicht nachdenken! Im Strafraum gilt auch das Gesetz des Körpers.

ZEIT ONLINE: Du warst schon mit elf Jahren 1,80 Meter groß. Heute bist Du 1,95 Meter, hast Schuhgröße 48. Der Trend im Fußball geht doch eigentlich selbst im Angriff zum kleinen Fußballer.

Stroh-Engel: Seh ich anders. Große Mannschaften brauchen große Stürmer, physisch starke Stürmer, die auch mal einen langen Pass aus der Abwehr festmachen. Will man bei jeder Ecke nur auf die beiden Innenverteidiger hoffen?

ZEIT ONLINE: Bei mir hast du Mittelfeld gespielt.

Stroh-Engel: Später auch manchmal, etwa beim SV Babelsberg. In Darmstadt machte mich der Trainer wieder zum Stürmer, er wollte einen großen Angreifer.

ZEIT ONLINE: Wie oft bist du mit Mario Gomez verglichen worden?

Stroh-Engel: Ein paar mal. Ich halte Gomez für einen Ausnahmestürmer: stark mit rechts, mit links, mit dem Kopf. Und er trifft gegen alle Gegner. Schade, dass er nicht bei der WM dabei ist. Der Vergleich mit ihm schmeichelt mir, aber im Ernst: Das ist nicht meine Liga.

ZEIT ONLINE: Du hast vor acht Jahren drei Bundesliga-Spiele für Eintracht Frankfurt bestritten. Heute bist du 28. Wie haben sich die Anforderungen an einen Stürmer verändert?

Stroh-Engel: Damals spielte man noch mit zwei Stürmern. Und heute muss man mehr verteidigen als früher. Gegenpressing kannte man damals nicht. Seit es Guardiola in Barcelona und später Klopp in Dortmund spielen ließ, hat das auch meine Aufgabe beeinflusst. Heute sehe ich mich als ersten Verteidiger, ich laufe längere Strecken und sprinte öfter als früher. Ich finde das gut.

ZEIT ONLINE: Aggressives Pressing war auch ein Erfolgsrezept von Darmstadt 98. Im Vorjahr seid ihr eigentlich aus der Dritten Liga abgestiegen, bloß der Lizenzentzug von Kickers Offenbach hat euch gerettet. Dieses Jahr steigt ihr auf. Wie das?

Stroh-Engel: Wir sind eine emotionale Mannschaft, unsere Stimmung ist super. Wir sind erst geschlagen, wenn wir unter der Dusche stehen. Der 4:2-Sieg beim Rückspiel in Bielefeld war ein Highlight, wir wurden sogar in Mallorca auf der Aufstiegsreise darauf angesprochen. Manche sagten: Das war das aufregendste Fußballspiel seit Langem.

ZEIT ONLINE: Ich erinnere mich, wie manche Gegenspieler früher versucht haben, dich zu foulen. Ein Mal wurden sie sogar von ihren Eltern dazu aufgefordert. Wie reagieren die Gegner heute, wenn du vier Mal getroffen hast, wie gegen Rostock?

Stroh-Engel: Meist locker. Die sagen: "Jetzt reiß dich mal zusammen!" oder: "Es genügt, Stürmer!"