Diese Kolumne ist, wie Sie wissen, die ultimative Quelle für Sportnachrichten: Hier geht es um Sport, um nichts als Sport. Und heute habe ich, für waschechte Sportfans wie Sie und mich, das große Vergnügen, Ihnen einen spirituell grunderneuerten, dreimaligen Formel Eins-Champion und zweifachen Fluggesellschaftsbesitzer vorzustellen, den einzig wahren Niki Lauda.

Ich treffe Niki an einem seiner Lieblingsorte in Wien, einem teuren Café, und bitte ihn, sich mir und den Lesern von Fett wie ein Turnschuh in eigenen Worten vorzustellen.

Er kommt meiner Bitte nach.

"Ich bin hier geboren, in Wien. Ich ging zur Schule, weil man mich dazu zwang. Ich habe meine Matura nicht beendet. Ich habe mein Maturazeugnis gefälscht, damit meine Eltern zufrieden waren."

Wie haben Sie es gefälscht?

"Neben mir saß ein Mädchen, das die letzte Maturaprüfung bestanden hat. Ich sagte ihr: 'Geh zur Polizei und sag, dass Du Dein Zeugnis verloren hast. Dann nehm ich das hier für mich.' Ich nahm ihr Zeugnis, änderte den Namen, ging nach Hause und zeigte es meinen Eltern. 'Ich habe gerade die letzte Prüfung bestanden', sagte ich. Meine Mutter war glücklich, mein Vater war glücklich, und ich warf das Zeugnis in den Müll. Jetzt, da der Druck weg war, sagten meine Eltern, ich hätte acht Monate Zeit, um zu tun, was ich wollte, und mir Gedanken über meine Zukunft zu machen. Ich wollte Autorennen fahren!"

Dieser Maturatrick war nötig, erzählt er mir, weil er einige der in der Schule unterrichteten Fächer überhaupt nicht mochte. Zum Beispiel Latein und Religion. "Ich war in beidem schlecht", sagt er.

Waren Ihre Eltern gläubig?

"Katholisch."

Wann haben Sie aufgehört zu glauben?

"Nie!"

Sie glauben noch immer?

"Sicher. Ich glaube, dass etwas da oben ist, aber ich glaube nicht, dass ich jeden Sonntag in die Kirche gehen muss."

Glauben Sie an Jesus?

"Ich denke, dass 99 Prozent von dem, was man mit seinem Leben anfängt, von einem selbst abhängt. Man kann alles erreichen, aber ob es tatsächlich klappt oder nicht, hängt von etwas ab, das wir nicht erklären können."

Und dann beginnt Niki einen Monolog:

"Da ist jemand, der über mich wacht, der etwas für mich tut, und das muss ich akzeptieren."

Vor Jahren, erzählt mir Niki, sei er aus der Kirche ausgetreten, um die Kirchensteuer zu sparen. Doch vor Kurzem sei er als Vater zweier Kinder wieder eingetreten, habe seine Kinder sogar taufen lassen. Und ja, natürlich: Heute zahle er auch wieder Kirchensteuer. Heute, erklärt er mir stolz, "bin ich römisch katholisch!"

Wie jeder weiß, glauben Katholiken an Himmel und Hölle. Also frage ich ihn: Gibt es im Himmel Autorennen?

"Nein. Leider nicht."

Wieso nicht?

"Ich glaube nicht, dass Rennfahrer in den Himmel kommen, dafür benehmen sie sich zu schlecht. Sie kommen in die Hölle. Da gibt es dann viele Autorennen."

Warum sollen Rennfahrer nicht in den Himmel kommen?

"Sie sind von Natur aus egozentrisch."

Sind Sie egozentrisch?

"Ja! Ja! Wenn man am Limit fährt und gewinnen will, muss man egozentrisch sein. Sonst schafft man es nie."

Also keine Rennfahrer im Himmel?

Na ja, fast. Mit einer Ausnahme: Senna (Ayrton Senna, ein weiterer dreifacher Formel-Eins-Champion, der 1994 beim Grand Prix von San Marino starb), der "vor den Rennen in der Bibel las", ist jetzt im Himmel.

Fährt er oben im Himmel Autorennen?

"Kann sein. Aber wenn, dann fährt er ganz allein ..."

Vielleicht ja gegen die Engel?

"Stimmt! Könnte sein."

Und alle anderen Fahrer sind in der Hölle gelandet. Fahren sie da Rennen?

"Immerzu!"

Gegen wen?

"Gegeneinander. Die haben richtig Spaß in der Hölle."

Werden Sie in der Hölle Weltmeister werden?

"Ich hoffe. Ich werde auch gegen den Teufel antreten!"

Meinen Sie, da können Sie gewinnen?

"Ich hoffe. Ich habe früher gewonnen, warum nicht auch in der Hölle. Vielleicht muss ich mich mehr anstrengen und noch schneller fahren."