Valeris Beobachtungsstelle hat Tausende rassistische Vorfälle im italienischen Fußball gezählt, 83 allein in der letzten Saison. Mit den Strafgeldern schult sein Institut Jugendmannschaften in Toleranz. Eine persönliche Mission, Valeris eigener Sohn ist dunkelhäutig. Als ihn Jugendliche vor einen Bus schubsten, habe er gesagt: "Papa, ich will weiß sein."

Selbst im Erfolg wird Balotelli die Vorurteile nicht los. "Wenn er triumphiert, dann wegen seiner angeblichen Naturkraft", sagt Valeri. Nach dem 2:1 in Manaus nannte ihn die Gazzetta dello Sport einen "Dschungelkönig", dieselbe Zeitung, die Balotelli schon als King Kong zeigte, der auf Big Ben steigt. Die zwei Tore im EM-Halbfinale gegen Deutschland seien dagegen nach drei Monaten vergessen gewesen.

Die meisten Italiener machen es sich einfach. "Sie sagen: Er ist einfach unsympathisch, basta", sagt Valeri. Dabei sei vieles eine Überkompensation auf Anfeindungen: die Arroganz, der Jähzorn, der Hang zu Luxus bis hin zum Drang, auf dem Feld stets etwas Besonderes zu zeigen und die Resignation, wenn es misslingt.

Nach der Blamage gegen Costa Rica nannten Journalisten Balotelli eine Mogelpackung und forderten Ciro Immobile im Sturm. Nach einem Heiratsantrag am Strand von Rio hieß es, er lenke sich mit Privatem ab. Dass Italiens Stars Gianluigi Buffon und Andrea Pirlo sich gerade von ihren Ehefrauen trennen, blieb unerwähnt.

Tore von Balotelli sind nun doppelt wichtig, für das Fortkommen Italiens in der Welt. "Er ist ein Vorbild für Einwandererkinder weltweit", sagt Valeri. Er muss es jetzt richten. Denn so schnell, ahnt Valeri, werde es keinen zweiten Balotelli geben in Italien. Nur den einen, der gleichzeitig so viele ist.