Nach seiner provisorischen 90-Tage-Sperre durch den Fußball-Weltverband hat Franz Beckenbauer die Fragen der Fifa-Ethikkommission "per Mail & Fax" nun doch beantwortet. Das teilte sein Manager Marcus Höfl via Twitter mit. Die Sperre war wegen "mangelnder Kooperation" Beckenbauers mit Fifa-Chefermittler Michael Garcia bei der Untersuchung der umstrittenen WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 verhängt worden. 

Beckenbauer kann damit jedoch nicht automatisch mit dem Ende seiner Sperre rechnen. Das Gremium sei frei in seiner Entscheidung, hatte die Fifa bereits zuvor mitgeteilt. Aufgehoben werden kann die Sperre nur von der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission. Deren stellvertretender Vorsitzender Alan Sullivan hatte die Beckenbauer-Sperre verhängt. Geleitet wird die Untersuchung von Vanessa Allard aus Trinidad und Tobago.

Ein Ende der Sperre ist jedoch wahrscheinlich. Nur wenn sie aufgehoben wird, darf Beckenbauer WM-Spiele in Brasilien besuchen. Zunächst hatte er nach der Sperre auf eine Reise nach Südamerika von sich aus verzichten wollen, dann aber seine Meinung revidiert.

Zu der Auseinandersetzung mit der Fifa-Kommission war es gekommen, weil der 68-Jährige Garcias Fragen zunächst nicht beantwortet hatte. Dies hatte er mit Verständnisschwierigkeiten der auf "Juristen-Englisch" formulierten Fragen begründet. 

Fifa in Bedrängnis

Die WM-Vergabe an Katar hatte die Fifa zuletzt immer mehr in Bedrängnis gebracht. Die britische Zeitung Sunday Times hatte in ihrer jüngsten Ausgabe von Reisen Beckenbauers nach Katar auf Einladung des mittlerweile lebenslang gesperrten Ex-Funktionärs Mohamed bin Hammam berichtet. Beckenbauer soll 2009 und 2011 in dem Emirat gewesen sein. Bei der zweiten Reise soll er als Berater zu Geschäftsgesprächen einer Hamburger Firma unterwegs gewesen sein.

Den unterschwelligen Vorwurf der Bestechlichkeit hatte Beckenbauer stets energisch zurückgewiesen: "Ich habe mit Korruption nichts zu tun. Wer sollte an mich herantreten und zu Dingen verleiten? Das ist doch lächerlich. Ich bin der falsche Ansprechpartner", sagte er. Sein Wahlverhalten als Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees hat Beckenbauer bislang nicht offenbart.

Die Bild-Zeitung hatte kürzlich berichtet, Beckenbauer habe für das Turnier 2018 für Russland votiert, für 2022 zunächst wie mit dem DFB vereinbart für Australien und im letzten Wahlgang für die USA – und damit nicht für Katar.