Brasilien hat vier Tore geschossen, gewonnen, und die WM-Eröffnung ist geglückt. So kann man das erste Spiel der Weltmeisterschaft 2014 bilanzieren. Allerdings war vieles anders als es im Nachhinein in den Statistiken erscheinen wird. Die brasilianische Elf tat sich lange Zeit überraschend schwer gegen die Kroaten.

Der erste Treffer des Turniers war ein Eigentor von Marcelo in der 11. Minute. Eine scharfe Hereingabe von Ivica Olic wurde leicht abgefälscht, wodurch Marcelo irritiert ins eigene Netz schoss. Es war das erste Eigentor für ein brasilianisches Team bei einer WM.

Danach mussten die Gastgeber sich erst einmal sammeln, bis zur 22. Minute: Neymar tanzte an der Torauslinie mehrere Gegenspieler aus, fand aber für seine Hereingabe keinen Abnehmer. Den Nachschuss von Oscar meisterte Stipe Pletikosa im Tor der Kroaten glänzend. Wenig später ließ Neymar die Fans im Stadion jubeln, als er mit kurzem Antritt seine Widersacher abschüttelte und aus 20 Metern mit Hilfe des Innenpfostens zum 1:1 traf. Das Tor verlieh der Seleção aber nicht die erhoffte Sicherheit. Die Kroaten störten das Aufbauspiel des WM-Gastgebers und lauerten mit Erfolg auf Konter.

Auch in den zweiten 45 Minuten stemmten sich die Kroaten mit Erfolg den mit wenig Schwung vorgetragenen brasilianischen Angriffen entgegen. Mit der Einwechslung von Hernanes für Paulinho versuchte Scolari die müde Offensive seiner Elf zu unterstützen. Herausgespielte Angriffe waren aber auch danach selten.

Zum Sieg benötigten die Brasilianer dann eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Nach einem harmlosen Zupfer von Dejan Lovren an Fred zeigte der Unparteiische in der 71. Spielminute auf den Elfmeterpunkt. Neymar verwandelte zum 2:1. In der Nachspielzeit sorgte Oscar mit einem Pike Schuss für die endgültige Entscheidung.

Lesen Sie hier den Spielverlauf chronologisch im Liveblog nach:

Vorbemerkungen

Auf der Suche nach der WM-Stimmung bin ich eben mit dem Fahrrad durch Berlin gefahren. Drei Autos mit schwarzrotgoldenen Seitenspiegeln, fünf Deutschlandfahnen auf Balkonen, das war es. Mehr war nicht zu sehen auf sieben Kilometern Hauptstadt. Keine Vuvuzela, keine Schland-Tröte, kein Fan mit dem neuen Freistoßspray zu erblicken.

Die letzten zwei, drei Kilometer vor der Redaktion schob ich das Rad. Vielleicht ist das alles nur ein ganz großer Medienhype, diese WM in Brasilien, dachte ich. Genau in diesem Moment sprach mich eine Frau an. Das sie auf Sex aus war, war klar. Am Rand dieser Straße in Westberlin stehen immer Prostituierte in keinen oder sehr engen Hosen mit genau dieser Absicht. Ich sagte: "Nein, ich muss zur Arbeit, die Fußball-WM geht doch heute los." Sie sagte: "Scheiß Fußball!", und drehte sich weg.

So viel zur Vorfreude auf die WM aus Berliner Sicht. In Brasilien soll es nicht viel besser sein. Unser Reporter Christian Spiller beschreibt die Stimmung im Gastgeberland vor dem Auftakt eher verängstigt als euphorisch. Noch vor wenigen Stunden hat die Polizei in São Paulo eine Demonstration von WM-Gegnern mit Tränengas und Gummigeschossen aufgelöst.

Und was nun? Federball spielen? Würfeln? Schach? Einfach nur Bier trinken? Nein, kein Fußball ist auch keine Lösung. Wir suchen weiter, nach der WM-Stimmung. Gemeinsam mit dem Kollegen Paul Hofmann, der viel jugendlichen Optimismus ausstrahlt, blogge ich von der Redaktion in Berlin aus. Christian Spiller berichtet aus dem Stadion in Brasilien, und was machen Sie eigentlich?

Sind Sie in Stimmung? In welcher? Und wie verfolgen Sie den WM-Auftakt? Schauen und kommentieren Sie mit, direkt unten im Kommentarfeld.

Um 22:00 Uhr ist Anpfiff, ab etwa 21:30 Uhr melden wir uns mit Deutungsversuchen über die Eröffnungsfeier. Bis dahin schauen Sie sich mal an, wen ARD und ZDF in Brasilien im Einsatz haben. Und worum es bei diesem Turnier für Joachim Löw geht.