ZEIT ONLINE: Moin Herr Roosch, wie ist es in Brasilien heute?

Bo Roosch: Eigentlich sehr schön, aber relativ windstill. Wir warten jetzt noch ein kleines Gewitterchen ab, und dann geht es wieder los.

ZEIT ONLINE: Sie sind Lehrer für Kitesurfing. Geht das denn überhaupt, wenn kein Wind da ist?

Roosch: Das kalkulieren wir mit ein. Morgen sieht es wieder richtig gut aus, da werde ich mit einigen Schülern rüber nach Laboe fahren und dort die Kurse auf jeden Fall durchziehen. Wir sind zum Glück eine mobile Schule und können auf den Wind reagieren. Denn eigentlich schult man nur bei Side-Onshore-Winden, also wenn der Wind schräg oder parallel zur Küste bläst. Wir gucken jeden Abend, wie der Wind am nächsten Tag aussieht und fahren dann rum. Ein bisschen spontan muss man immer sein, aber meistens bewahrheitet sich die Einschätzung doch.

ZEIT ONLINE: Wie viel Wind wäre denn ideal?

Roosch: Das Schöne beim Kitesurfen ist, dass es schon relativ schnell losgeht. Man braucht so etwa drei bis sechs Beaufort. Drei entsprechen etwa einer schwachen Brise, sechs sind schon ganz ordentlicher Wind. Das hängt immer von der Schirmgröße ab, die einem zur Verfügung steht.

ZEIT ONLINE: Wir haben neulich schon mit Oli Lütten gesprochen – ist er ein Kollege von Ihnen?

Roosch: Mein Chef und ein guter Kollege.

ZEIT ONLINE: Wer ist denn der bessere Fußballer von Ihnen?

Roosch: Ich glaube, er. Ich habe immer nur so hobbymäßig gekickt, aber ich meine, der Oli hat das eine ganze Weile auch im Verein gespielt. Und manchmal kicken wir auch aufm Deich, und da ist Oli definitiv der dominierende von uns beiden. Aber ich schenke ihm auch nichts. (lacht)

ZEIT ONLINE: Auf dem Deich ist ein Fußballplatz?

Roosch: Wir haben vor der Saison Beachsoccer-Tore gekauft, die wir dann aufbauen. Manchmal veranstalten wir auch kleine Turniere mit der ganzen Belegschaft. Wir haben auch die WM ausgespielt, das Finale Brasilien gegen Deutschland in den passenden Trikots. Ein bisschen Abwechslung kann ja nie schaden.

ZEIT ONLINE: Was ist Ihnen bis jetzt in Erinnerung geblieben von der WM?

Roosch: Wen ich echt krass finde, ist der Thomas Müller. Das letzte Tor von ihm fand ich auch wieder überragend gut mit seinem Nachschuss aus der dritten Reihe. Ich würde es ihm auf jeden Fall gönnen, dass er Torschützenkönig wird.

ZEIT ONLINE: Hilft es beim Kitesurfen eigentlich, kleiner und leichter zu sein? Oder ist das schlecht, weil man dann eher davonfliegt?

Roosch: Es ist ein Sport für jedermann und jedes Alter. In der Regel schule ich ab 50 Kilo, aber wenn jemand nur 45 Kilo wiegt und sportlich ist, geht das auch. Dann nimmt man eben einen etwas kleineren Schirm. Und wenn jemand 130 Kilo wiegt, einen etwas größeren.

ZEIT ONLINE: Ich frage, weil später noch Chile gegen Brasilien im Achtelfinale spielt und Chile die kleinste Mannschaft des Turniers stellt. Wer glauben Sie gewinnt?

Roosch: (ohne zu zögern) Brasilien!

ZEIT ONLINE: Ach kommen Sie, das ist doch nur Lokalpatriotismus!

Roosch: (lacht) Nee nee, nicht nur! Ich finde die brasilianische Mannschaft an sich gar nicht so schlecht. Ich würde ihnen das gönnen gegen Chile.

ZEIT ONLINE: Schaffen Sie es bis 18 Uhr zum Anpfiff vor den Fernseher?

Roosch: Ich hoffe es. Die Station schließt eigentlich erst um 18 Uhr. Als das Deutschlandspiel war, hat der Oli gesagt: "Alles klar Jungs, ihr könnt 'ne Stunde eher nach Hause." Bei Brasilien gegen Chile … joa, da müssen wir mal gucken.

ZEIT ONLINE: Ist ja schön, einen Chef zu haben, der auch fußballbegeistert ist.

Roosch: Auf jeden Fall, da sind wir ihm auch sehr dankbar für. Sonst hätten wir ja schon ein Spiel verpasst. Aber ich sag' mal, wenn man eine Stunde früher Schluss macht, dann macht man eben am nächsten Tag eine Stunde länger. Wenn die Leute nochmal abends eine Runde Stand-Up-Paddeln gehen wollen, dann lassen wir die Station auch mal ein bisschen länger auf.

Brasilien an der Ostsee - Die Copacabana hinter Kiel An der holsteinischen Ostseeküste befindet sich in der Gemeinde Schönberg der Ortsteil Brasilien – direkt neben Kalifornien. Traumstrände und Offenheit hinter dem Deich lassen den brasilianischen Geist aufleben.