ZEIT ONLINE: Frau Petersen, was macht Brasilien?

Doris Petersen: Alles gut. Ich stehe in meiner Imbissbude am Strand. So wie jeden Tag.

ZEIT ONLINE: Sie arbeiten direkt am Meer?

Petersen: Ja, es sind etwa 50 Meter bis zum Stand. Vorbei an meinem Imbiss, ein paar Stufen über die Düne, dann ist man schon da. Hinter der Düne ist auch das Public Viewing, die Fußballfans müssen quasi bei mir vorbei.

ZEIT ONLINE: Das ist sicher gut fürs Geschäft.

Petersen: Leider nicht, denn die Fans dürfen weder Essen noch Getränke mit auf das Gelände nehmen. Noch nicht mal ein Eis oder Bonbons. Die Leute wissen das inzwischen und kaufen natürlich vorher nicht mehr viel bei mir. Das hatte ich mir ein bisschen anders vorgestellt, aber nun ist das eben so. Die WM-Tage sind so wie normale Tage, mehr Umsatz mache ich nicht.

ZEIT ONLINE: Was gibt es bei Ihnen denn?

Petersen: Currywurst mit Pommes hauptsächlich, oder einfach nur Pommes. Und Brasilien-Poller.

ZEIT ONLINE: Was ist das?

Petersen: Eine Fleischfrikadelle mit Salsa-Curry-Sauce im Brötchen. Wer will, bekommt auch Kartoffelsalat oder Pommes dazu.

ZEIT ONLINE: Extra zur WM?

Petersen: Nein, die gibt es immer, meistens aber nur am Wochenende, denn das ist ganz schön viel Arbeit.

ZEIT ONLINE: Sie arbeiten viel?

Petersen: Ja, in der Hauptsaison jeden Tag von etwa neun Uhr morgens bis neun Uhr abends. Manchmal hilft meine Tochter, am Wochenende mein Mann, denn da haben wir noch länger auf. Ich kenne es nicht anders, ich mache das seit 20 Jahren. Im Sommer kann ich auf kein Fest, auf keinen Geburtstag gehen, weil ich im Imbiss stehe. Aber unsere Freunde wissen das. Im Winter kann ich mich wieder mehr um sie kümmern.

ZEIT ONLINE: Wenn Sie so lange arbeiten, bekommen Sie die meisten WM-Spiele gar nicht mit.

Petersen: Doch, doch. Ich habe hier einen kleinen Fernseher in meinem Imbiss stehen, da laufen abends die Spiele. Ich will doch auf dem neusten Stand sein. Außerdem bin ich Fußballfan. Nicht ganz so sehr wie mein Mann, aber immerhin ein bisschen. Die wichtigen Spiele schauen wir normalerweise zusammen an. FC Bayern, Borussia Dortmund und HSV und so – und jetzt ab und zu eben WM.

Brasilien an der Ostsee - Die Copacabana hinter Kiel An der holsteinischen Ostseeküste befindet sich in der Gemeinde Schönberg der Ortsteil Brasilien – direkt neben Kalifornien. Traumstrände und Offenheit hinter dem Deich lassen den brasilianischen Geist aufleben.

ZEIT ONLINE: Dann kennen Sie sich ja aus. Auf einer Skala von eins bis zehn, wie sehr?

Petersen: So mittig, würde ich sagen. Ein bisschen was weiß ich schon. Dass Deutschland auf die USA trifft am Donnerstag, zum Beispiel. Und dass Thomas Müller eigentlich in München spielt.

ZEIT ONLINE: Wissen Sie auch, wer die Weltmeisterschaft gewinnt?

Petersen: Ich glaube, dass Brasilien gegen Deutschland im Finale steht. Und dann schlägt mein Herz ausnahmsweise nicht für Brasilien.