ZEIT ONLINE: Moin Frau Martens, wie läuft es heute in Brasilien?

Tina Martens: Bei uns kommen gerade neue Strandkörbe an. Ist ein bisschen stressig. Aber sonst ist alles gut.

ZEIT ONLINE: Sie sind in Brasilien für die Strandkörbe zuständig?

Tina Martens: Nein, nicht nur. Ich betreue hier im Touristservivce die Gäste, kümmere mich aber auch um die Planung der Strandkorbvergabe.

ZEIT ONLINE: Was fragen die Touristen so?

Martens: Sie wollen im Moment vor allem wissen, wo sie die WM-Spiele sehen können. Wir haben dafür extra einen Handzettel entworfen, den wir dann verteilen. Der Strand in Brasilien ist natürlich das Highlight hier. Wir Mädels vom Touristservice waren alle zusammen beim ersten Gruppenspiel der Deutschen dort. Da war es rappelvoll. Und es waren nicht nur Touristen da, sondern auch viele Einheimische, die ich noch von früher kenne. Ich bin hier ein Dorf weiter aufgewachsen, auch wenn ich inzwischen in Kiel wohne.

ZEIT ONLINE: Verkaufen Sie auch Brasilien-Werbekram in der Touristinfo?

Martens: Klar. Die Shop-Artikel gehen gerade viel besser weg.

ZEIT ONLINE: Was zum Beispiel?

Martens: Pins und Kühlschrankmagneten mit dem Ortsschild von Brasilien verkaufen wir gerade deutlich mehr als sonst. Viele Besucher wollen auch wissen, wo das Ortsschild steht, um es zu fotografieren.

ZEIT ONLINE: Und wo steht es? Der Bürgermeister sagt, dass das Schild ständig geklaut wird.

Martens: Das stimmt auch. Deswegen gibt es eigentlich gar keines. Jetzt, während der WM, stellen wir eines auf und die Wassersportschule am Strand hat auch ein Schild. Aber ganz ehrlich: Es gibt drei Familien, die ihren Hauptwohnsitz in Brasilien haben. Eigentlich ist das ja ein Ferienort. Da ist so ein Schild nicht so wichtig. Es gibt einen großen Stein, da steht Brasilien drauf, das reicht.

ZEIT ONLINE: Überall Fußball: Ertragen Sie es noch?

Martens: Na klar, ich bin doch Fan. Ich trage eine gehäkelte Deutschlandmütze, um den Hals eine Hawaiikette in Schwarz-Rot-Gold und die Deutschlandflagge aus Schminke auf der Wange. Ein Trikot hab ich leider nicht. Außerdem versuche ich, alle Spiele zu sehen. Mein Freund und ich liefern uns vor dem Fernseher dann richtige Duelle. Manchmal übertreibe ich es allerdings.

ZEIT ONLINE: Wie das?

Martens: Ich bin zu emotional, muss alles kommentieren, schlage die Hände über dem Kopf zusammen, werde laut und anstrengend. Sagt jedenfalls mein Freund. Er muss mich dann bremsen.

ZEIT ONLINE: Immerhin kennen Sie sich aus.

Martens: Das auf jeden Fall. Vor dem ersten Spiel der Deutschen habe ich zum Beispiel auf ein 3:0 getippt. Da haben mich alle ausgelacht. Aber am Ende war ich nahe dran. Und, Sie brauchen gar nicht zu fragen, klare Sache: Morgen gegen Ghana gewinnt Deutschland auch. 

Brasilien an der Ostsee - Die Copacabana hinter Kiel An der holsteinischen Ostseeküste befindet sich in der Gemeinde Schönberg der Ortsteil Brasilien – direkt neben Kalifornien. Traumstrände und Offenheit hinter dem Deich lassen den brasilianischen Geist aufleben.