Sie kamen aus der Hauptstadt Jaunde, auch aus Paris oder Willich am Niederrhein, wo einige nach ihrem Studium hängengeblieben sind. Viele junge Männer, etwa ebenso viele junge Frauen. Sie hießen Yuven, Jacques und Cédric oder Agnes, Yvonne und Adrienne. Kaum jemand hatte mit den Tausenden gerechnet, die am Sonntag Mönchengladbach bereisten. Schon Stunden vor dem Spiel flirrte der Bahnhof grün, rot und gelb, die Farben Kameruns, die Fans trugen sie am Leib, im Gesicht, auf dem Kopf und auf den Fingernägeln. Sie hofften auf ein Unentschieden des Außenseiters aus Afrika, des Fünfzigsten der Weltrangliste. Aber so wichtig war ihnen das Ergebnis nicht.

Die Fans aus Kamerun waren die Hauptdarsteller an diesem Abend. Sie machten Musik, tanzten, bildeten Reihen zu afrikanischen Rhythmen und wickelten sich in Fahnen ein. Die deutschen Fans wirkten dagegen leicht hüftsteif und melodiearm. Ein schöner Vorgeschmack für die deutsche Delegation, so bunt und international kann die Atmosphäre auch in Brasilien sein.

Die Fans aus Kamerun waren auch deswegen die Hauptdarsteller, weil sich an ihnen wie an einem Barometer die Ereignisse und Erkenntnisse dieses Testspiels ablesen lassen. Ein Spiel, in dem Deutschland seine Titelhoffnungen festigen wollte, eigentlich.

Zu Beginn bejubelten Kameruns Fans vor allem Charles Itandje. Sobald der Keeper, der im rosafarbenen Tim-Wiese-Gedächtnistrikot auflief, am Ball war, wurde es laut im Stadion. Einen Schuss von Marco Reus hielt er, einen von Mario Götze schaute er an den Pfosten, einen von Mesut Özil vorbei. Flanken faustete er unter großer Beachtung seiner Kurve aus dem Strafraum. Wer dachte, auf Itandje würde es an diesem Abend ankommen, fühlte sich durch das anfängliche Stürmen der Deutschen bestätigt.

Doch schon kurz darauf beklatschen die Kamerun-Fans, wie ihre "Löwen" im Mittelfeld der Deutschen langsam Herr wurden und manchen Konter einleiteten. Als ihr Captain Samuel Eto'o zwei Mal aufs Tor schoss, schwoll erstmals "Allez les Lions" an, der Schlachtruf Kameruns. Auf, Ihr Löwen!

In der zweiten Halbzeit dann bejubelten die Grün-Rot-Gelben eine Aktion, bei der alle vier deutschen Verteidiger gegen ihren Gegenspieler das Nachsehen hatten. Es war das Führungstor Kameruns. Den Deutschen gelangen darauf zwei Tore. Doch als Eric-Maxim Choupo-Moting das zweite Tor für die Gäste schoss, wurde es am lautesten. Die Deutschen traf dieses Tor, weil es ihnen nach einem Auftritt mit vielen Schwächen auch noch das Erfolgserlebnis raubte.

Noch Minuten nach dem Abpfiff besangen die Kamerun-Fans ihre Spieler für ihre Leistung. Der Sieg wäre für sie möglich gewesen. Sie hüpften auf dem Platz, während die deutschen Profis bereits selbstkritisch vor den Mikrofonen standen. Die deutschen Ersatzspieler, die nicht zum Einsatz gekommen waren, absolvierten mitten in dieser grün-rot-gelben Party eine kurze Fitness-Einheit.