Die Hafenstadt Recife im Nordosten Brasiliens kann ein unwirtlicher Ort sein. Die Mordrate ist hoch. Im Wasser lauern in Strandnähe viele Haie, die wollen beißen. Das Wasser kann auch von oben eine Gefahr sein. In den vergangenen Tagen setzten biblische Regengüsse Straßen unter Wasser und fluteten die Favelas. Und die Wege zum Flughafen sind so verworren, selbst einheimische Busfahrer finden ihn nicht immer auf Anhieb.

In Recife können aber auch Fußballspiele voller Harmonie stattfinden, Fußballspiele, nach denen selbst die Verlierer lächeln. So wie Jürgen Klinsmann am Donnerstag. Der stürmte nach dem Abpfiff des Duells mit seiner alten Mannschaft auf Joachim Löw zu und drückte ihn. Dann umarmte er alle anderen der deutschen Bank und schüttelte die Hände der Spieler. Alles mit diesem Klinsmann-Lächeln.

Wenn auch nicht alle das so charmant hinbekommen wie Klinsmann – er war nicht der einzige. Lächeln war die Mimik des Tages. Dabei hatte Klinsmann verloren und die Amerikaner wollen eigentlich immer gewinnen. Doch das Spiel hinterließ allseitig Glück und Zufriedenheit. Auch bei den Deutschen, die fürs Achtelfinale qualifiziert sind. Und beim Verlierer, den USA, die trotz der 0:1-Niederlage im Turnier bleiben. Bei Klinsmann ja auch, weil er sich vielleicht noch als Teil der aktuellen DFB-Epoche fühlt.

In der Mixed Zone, dem Ort der Begegnung zwischen Fußballern und Medien, sah man nur fröhliche Leute. Philipp Lahm freute sich. "Gruppen-Erster ist immer was Schönes", sagte der Kapitän. Hans-Dieter Flick plauderte, eine Hand in der Hose, über die kommenden Trainingseinheiten am Campo Bahia. Per Mertesacker bescheinigte den USA im besten Englisch eine tolle Entwicklung. Toni Kroos sah man lachen, hörte man lachen. Wirklich.

Die Verlierer feiern

Auch im Team USA war die Stimmung gut. Der Co-Trainer Andy Herzog schmähte auf Wienerisch. Jermaine Jones, belagert von der amerikanischen Presse, fuhr sich zart durch seine Rastas und wünschte den Deutschen alles Gute. "Vielleicht sehen wir uns noch mal im Turnier", sagte er. Das geht nur in den Finalspielen. Es war ein Scherz, wahrscheinlich.

Es hätte anders als scherzhaft kommen können, dann hätte man andere als lächelnde Gesichter gesehen. Etwa wenn das Wasser aus den dichten tropischen Wolken das Ergebnis unberechenbar beeinflusst oder ein Unentschieden den Gijón-Verdacht auf die Trainer geworfen hätte. Oder wenn Klinsmann, der auch anders als lächeln kann, alte Rechnungen mit dem DFB hätte begleichen wollen. Vor allem hätte das letzte Gruppenspiel für den Verlierer das Aus bedeuten können. Dann hätte einer geheult.  

Es gab auch Situationen in Recife, da wurde nicht gelächelt: Auf Schweinsteiger hatten es die US-Guys abgesehen. Er steckte ein paar spektakuläre Fouls ein. Schweinsteiger entwickelte ein abwechslungsreiches Privatduell mit Jermaine Jones. Die deutschen Fans grölten ein paar Mal sinn- und anlasslos "Klinsmann raus!" Und wenn der sich beim Schiedsrichter beschwerte, glich sein Lächeln eher einem der Haie vom Strand als einem Kalifornier.

Aber das war auch schon alles. Klinsmann gab konsequent den Charming Guy. Der Regen richtete, abgesehen von Löws durchtränktem Hemd und einer verwegenen Wet-Gel-Frise, keinen Schaden an. Und Ghana verlor, Portugal gewann nicht hoch genug.