Neuerdings können Fußballfans aus aller Welt im Internet den Spieler des WM-Spiels wählen. Die Auszeichnung ist nach einer Biermarke benannt, einem Fifa-Sponsor, den wir an dieser Stelle der Einfachheit halber Biermarke nennen werden. Offiziell heißt der Titel deshalb Biermarken-Spieler des Spiels. Es gibt Spiele, da ist die Sache mit dem Biermarken-Spieler des Spiels sehr simpel, wenn Neymar zwei Tore macht oder Müller drei. Und es gibt Spiele wie Ecuador gegen Frankreich.

Man musste schon etliche Biermarken-Bier trinken, um diesem Spiel so etwas Positives wie einen Biermarken-Spieler des Spiels abzugewinnen. Dass es am Ende den Torwart von Ecuador traf, einen höflichen Schlaks namens Alexander Dominguez, sagt sehr viel über das Spiel aus. Dominguez jedenfalls bekam die zu der Auszeichnung gehörige windschiefe Trophäe auf der offiziellen Pressekonferenz in die Hand gedrückt. Der Pokal erinnert natürlich nur zufällig an das Logo der Biermarke, Dominguez lächelte trotzdem für die Kameras. Besser gesagt für die eine Kamera, denn das Ganze interessiert eigentlich niemanden, außer den offiziellen Fifa-Fotografen.  

Auch das Spiel selbst, ein 0:0 der mieseren Sorte, hatte nicht das Zeug, das Interesse von irgendjemandem zu wecken. Die 73.749 Zuschauer im Maracanã versuchten, sich mit Laolas und lokalem Liedgut wach zu halten. So manchem fielen dennoch die Augen zu, selbst Journalisten auf der Pressetribüne nickten ein. Wer will es ihnen verdenken. Was haben wir in dieser Vorrunde schon für tolle Spiele gesehen? Und was war das für ein Gegurke?

Motto der WM: Schnelligkeit vor Genauigkeit

Immer, wenn wieder mal ein Schuss in die Wolken ging, pfiffen die Zuschauer. Auch nach dem Spiel, was bei dieser WM noch nicht oft vorkam. Denn es ist bislang eigentlich eine sehr schöne WM. Dieses Spiel aber hat es geschafft, fast alle negativen Eigenschaften dieses Turniers in 94 Minuten zu pressen: Eine fast an Brutalität grenzende Physis, einen Hang zur Tätlichkeit und ein zwar schnelles, aber auch sehr fehlerhaftes Spiel.

Den Anfang machte Frankreichs Mamadou Sakho, dem die Idee kam, seinem Gegenspieler einfach mal den Ellenbogen ins Gesicht zu rammen. Da der Schiedsrichter gerade woanders hinschaute, durfte Sakho sich auf dem Feld auch fortan durchschlagen. Die Aktion dürfte trotzdem ein Fall für die Fifa-Disziplinarkommission sein. Wie auch die Aussetzer von Portugals Pepe, Kameruns Song und Uruguays Knabberkönig Luis Suárez.

Ebenfalls ein Trend dieser WM: Die allgemeine Raubeinigkeit. Gerade die Teams aus Südamerika kennen keine Verwandten. Da wird getreten, was die Schraubstollen hergeben. Vielleicht kein Zufall, dass ein technisch starkes, aber körperlich schwaches Team wie Spanien bereits Urlaub macht? In diesem Spiel gipfelte die Freude an der gepflegten Treterei in einer Roten Karte für Ecuadors Kapitän Antonio Valencia. Er wollte seinem Gegenspieler mit gestreckter Sohle ein paar Stollenabdrücke auf den Schenkel tätowieren. Klappte nicht.

Und auch was das Spiel an sich angeht, das Hin und Her, die Taktik, die Pässe, so zeigte sich zwar in der Partie und dem Turnier eine Tendenz zur Schnelligkeit, die aber, wie so oft im Leben, auf Kosten der Genauigkeit geht. Da werden Konter zu hastig abgeschlossen, Pässe mit zu viel Risiko gespielt und Chancen verschludert, weil man vorher zu schnell oder viel gerannt ist. Das kann mitunter toll und mitreißend anzusehen sein, weil es rauf und runter geht und oft auch wieder rauf. Es kann aber, wie bei dem Spiel im Maracanã, auch fürchterlich frustrieren, weil einfach nichts zusammengeht. Diese WM ist eine High-Speed-WM, aber auch ein wenig eine Zufalls-WM. Der Kontroll- und Ballbesitzfetischist Pep Guardiola jedenfalls wird in diesen Tagen ganz unruhig auf dem Sofa hin- und herrutschen.

Am Ende, und auch das spricht zumindest nicht für diese Gruppe, reichte den Franzosen das 0:0 zum Gruppensieg. Ecuador dagegen fährt als einziger Vertreter Südamerikas nach Hause. Es nimmt neben der Biermarken-Trophäe aber noch etwas anderes mit: einen neuen Internet-Star. Der Mittelfeldspieler Christian Noboa wurde schon während der Partie berühmt, weil er, nachdem er sich bei einem Zweikampf den Kopf gestoßen hatte, mit einem schmucken Haarnetz aufs Feld zurückkam. Im Netz steht Ecuador jedenfalls im Achtelfinale, mindestens.