Kurz vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft hat die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff die Kosten des Großereignisses verteidigt. Von den Investitionen in Stadien, Flughäfen und andere Einrichtungen profitiere das Land langfristig, sagte die Politikerin in einer Fernsehansprache. "Wir haben das vor allem für die Brasilianer getan." Zugleich versprach sie, mutmaßliche Korruptionsfälle aufklären zu lassen. Wenn Unregelmäßigkeiten nachgewiesen seien, würden die Verantwortlichen bestraft.

Die WM in Brasilien, die am Donnerstag mit einer Begegnung zwischen dem Gastgeber und Kroatien eröffnet wird, ist die teuerste in der Geschichte des Wettkampfes. Das Schwellenland lässt sich das Ereignis umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro kosten. Viele Bürger sind der Ansicht, dass die Regierung das Geld lieber für Gesundheit und Bildung hätte ausgeben sollen. Seit Monaten protestieren sie gegen das Sportereignis.

Neben friedlichen Aktivisten haben auch militante Gruppen zu einer Serie von Demonstrationen während der Fußballweltmeisterschaft aufgerufen. Sie wollen an die Mobilisierung von 2013 anknüpfen, als bei der WM-Generalprobe während des Konföderationen-Pokals die Sicherheitskräfte von Großdemonstrationen überrascht wurden.

Jetzt sollen 157.000 Polizisten und Soldaten in den zwölf Gastgeberstädten zusammen mit Privatfirmen die Sicherheit garantieren. Kostenpunkt insgesamt: etwa 630 Millionen Euro.

Rousseff sagte, es handele sich nur um ein scheinbares Dilemma. Sie habe in ihrer Amtszeit die Ausgaben für Gesundheit und Bildung am stärksten gesteigert. Die WM bringe außerdem nicht nur Kosten, sondern auch Einnahmen. "Sie fügt der Wirtschaft Milliarden zu, schafft Geschäfte und Arbeitsplätze", sagte die Präsidentin, die im Oktober wiedergewählt werden möchte.

Zwei Milliarden Dollar an Veranstaltungskosten zahlt die Fifa

Die Staatschefin trat auch Behauptungen entgegen, es werde eine Energierationierung geben: "Ich garantiere, es wird kein Strom fehlen – zur WM nicht und auch danach nicht." Die WM dauere nur einen Monat, die Vorteile blieben fürs ganze Leben.

Kurz zuvor hatte der Weltfußballverband Fifa Kritik aus Brasilien zurückgewiesen, wonach die WM-Kosten vor allem von den Bürgern des Landes getragen werden. Die reinen Veranstaltungskosten von zwei Milliarden Dollar bezahle die Fifa selbst und finanziere sie mit dem Verkauf von Fernsehübertragungs- und Marketingrechten, erklärte die Organisation.

Die brasilianischen Steuerzahler würden mit keinem einzigen Cent belastet. Dagegen hingen viele Investitionen in die Infrastruktur nicht direkt mit dem Großereignis zusammen. Brasilien werde noch viele Jahre von moderneren Straßen, Flughäfen oder Telekommunikationsnetzen profitieren.

"Brasilien hat größte Hindernisse überwunden"

Rousseff verteidigt ihr Land auch gegen die Kritik, dass die Vorbereitungen für das Ereignis nicht abgeschlossen seien. "Brasilien hat die größten Hindernisse überwunden und ist auf und abseits des Fußballplatzes bereit für die WM", sagte sie und versicherte unter anderem, dass die zwölf Stadien pünktlich zum Auftaktspiel fertig seien.

Ihr Land werde die ausländischen Fans mit "offenen Armen" empfangen – so wie die berühmte Christusstatue in Rio de Janeiro, sagte Rousseff, die dennoch Probleme bei der Vorbereitung der WM einräumte. Das brasilianische Volk, das niemals aufgebe, habe die Pessimisten aber durch "harte Arbeit und Entschlossenheit besiegt".