Wie lief das Spiel?

Nichts zu sehen von Gijon 2.0, sie lernten sich schnell kennen in Recife: Bastian Schweinsteiger den Wucht-Ami Kyle Beckerman, Jogi Löw den Platzregen, Benedikt Höwedes den dadurch schnellen Rasen und Jermaine Jones den Schiedsrichter Irmatov. Dem Mittelfeld der ältesten Nationalmannschaft seit dem WM-Finale 2002, bestehend aus Lahm, Kroos und neuerdings wieder Schweinsteiger, merkte man deutlich an, dass es sonst die Ballbesitz-Trikots des FC Bayern trägt: Nach 30 Minuten dürften die Klinsmänner vergessen haben, wie sich so ein Ball anfühlt und die Zuschauer, wie ein vertikaler Ball aussieht. Als in der 55. Minute einfach alle mal machten, was sie können, war es dann um den Spielstand geschehen: Mertesacker köpfte, Howard hielt und Müller schoss. Noch nie schied eine deutsche WM-Mannschaft schon in der Vorrunde aus, das bleibt auch so.

Ist es ein gerechtes Ergebnis?

Absolutely. Das US-Team war offensiv zu tranig, Deutschland dominant.

Wer war der Spieler des Spiels?

Ein Rückkehrer mit Namen Schweinsteiger. Gegen die physischen US-Amerikaner war er als Präsenzspieler von beinahe honduranischer Prägung eine gute Jogidee. Allgegenwärtig sammelte Schweinsteiger kleine und kleinste Häufchen gegnerischer Spielkunst ein und ließ auch seine enervierenden Seitenwechsel rechtzeitig wieder sein. Er wirkte erstaunlich geschmeidig und lag als meistgefoulter Spieler auch erstaunlich oft am Boden. Wenn was los war, war Schweinsteiger los.

Was war die Szene des Spiels?

Philipp Lahm war wieder besser als die Mittelfeldlahm-Skeptiker behaupten werden. In der Nachspielzeit revanchierte sich der Kapitän mit einer weltmeisterlichen Grätsche für die vorrundlichen Ballverluste. Nach einem schnellen Angriff der USA kam der Ball über Jones zum freistehenden Bedoya, der probehalber mal abzog. Manuel Neuer lag bereits am Boden, als Lahm rückenschwimmend rettete und die Beckerfaust zeigte. Der Mann beherrscht einfach alle Sportarten.

Was bedeutet das Remis für die deutschen WM-Chancen?

Die Spanne zwischen dem Portugal- und dem Ghana-Spiel war so groß, dass man das Leistungsvermögen der deutschen Mannschaft nur vage irgendwo mittig vermuten konnte. Zwischen "sicherer Weltmeister" (Portugal) und "sicheres Achtelfinalaus" (Ghana) tendieren wir momentan zu Ersterem. Wie auch immer: Gruppensieg. Das fühlt sich gut an und umschippert Belgien. Einer aus dem Gruppe-H-Vermächtnis Russland, Südkorea oder Algerien wird dem Viertelfinale im Weg stehen. Wir lehnen uns weit aus dem Fenster und sagen: machbar.

Was war sonst noch wichtig?

Platzregen, der Joachim Löw im Haarfülle-Kontest mit seinem ehemaligen Chef Jürgen Klinsmann als klaren Sieger hervorgehen ließ. Und eine tolle Bilanz der deutschen Übungsleiter: In Ottmar Hitzfeld (Schweiz), Jürgen Klinsmann (USA) und Joachim Löw stehen drei der vier deutschen WM-Trainer im Achtelfinale. Nur Volker Finke (Kamerun) ist raus, der macht jetzt erst mal Urlaub in Prämiestan.

Und die Statistik?

Deutschland: Neuer – Boateng, Mertesacker, Hummels, Höwedes – Lahm, Schweinsteiger (76. Götze), Kroos – Özil (89. Schürrle), Podolski (46. Klose), Müller

USA: Howard – Johnson, Gonzalez, Besler, Beasley – Beckerman, Jones – Zusi (84. Yedlin), Bradley, Davis (59. Bedoya) – Dempsey

Tore: 0:1 Müller (55.)

Zuschauer: 42.000