Es ist ein Ausrutscher, der stellvertretend für das verbreitete Ressentimentdenken steht, dass für einige Forscher eng mit dem Verständnis von Staatsbürgerschaft zusammenhängt. "Wenn das alltägliche Staatsverständnis wie bei uns von genetischer Abstammung geprägt ist, wirkt sich der Nationalismus stärker negativ aus", erklärte etwa der Wissenschaftler Ulrich Wagner während der EM 2012 der Süddeutschen Zeitung.

Die Identifikation mit dem eigenen Land ist der Kern, den der Nationalismus und der Patriotismus gemein haben. Ihre Grenze verläuft fließend und für viele unsichtbar: Stolz auf die deutsche Demokratie oder deutsche Errungenschaften zu sein, ist die eine Sache. Sie gegen andere Länder diskreditierend, diffamierend oder gar übergriffig auszuspielen, die andere. Der frühere Bundespräsident Johannes Rau sagte es treffend: "Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet."

Gunter A. Pilz sieht den Fußball nicht als den Ursprung, wohl aber als eine Angelegenheit, "die Nationalismen fördern kann". Da der organisierte, parteiliche Rechtsextremismus fast aus der Öffentlichkeit verschwunden sei, ziehe er sich zunehmend in Nischen wie die Fankurven zurück. Deren Mitglieder neigen im Streben nach einer positiven Selbstbewertung dazu, ihre eigene Gruppe positiv gegenüber einer anderen abzusetzen. Sie mobilisieren Affekte gegen eine Fremdgruppe, um ihren Zusammenhalt zu stärken. Aufwertung durch Abwertung, so das Prinzip, das international schnell fremdenfeindliche Züge wie das "Blackfacing" annimmt, gegen das die Fifa mittlerweile ermittelt.

Dem Alltagsrassismus in sozialen Netzwerken wie Twitter ist schwieriger beizukommen als dem im Stadion. Zwar können seine Übergriffe gemessen an Zehntausenden Tweets nicht als repräsentativ gelten. Gleichzeitig aber zeigen Spiele wie gegen Ghana, dass die Netzanonymität dem Fußball-Nationalismus mit Ressentiments und Pöbeleien eine Bühne bietet. Der polnische Flitzer wurde am Ende einfach vom Platz eskortiert. Viele der Kommentare auf Twitter und Facebook stehen noch immer.