Was wird passieren?

Und es begab sich, dass alle Saat aufgehen wird: Lahm wird die Kritik ignorieren und Regie führen. Khedira wird kämpfen und laufen, als wäre er nie verletzt gewesen. Dann wird ihn Schweinsteiger ersetzen und beweisen, dass man sehr wohl ein Chef in Teilzeit sein kann. Hinten werden Hummels und Mertesacker federleicht verteidigen. Vorne rotieren Müller, Özil und Götze so harmonisch, dass der Ball gar nicht mehr ins Tor geschossen werden muss. Er wird dort vom Luftzug der dreien hineingewirbelt. Joachim Löws Plan wird also die Konturen annehmen, die uns nach Rio führen. Und wenn nicht: Klose rein, Ecke, Tor.

Liegt Gijón jetzt in Brasilien?

Ganz Schlaue sagen, die Ausgangslage ist doch ganz einfach für die beiden Freunde auf der Trainerbank: ein 1:1 hinschaukeln und beide sind weiter. Selbst der ruhmreiche New Yorker klärt die geschichtsunkundigen Amerikaner über die Hintergründe von Gijón auf.

Dabei ist es ganz verzwickt für de Jürgen und de Jogi. Sie sind ja solche Ehrenmänner, dass sie auf keinen Fall mit dem Makel leben wollten, sie hätten gemauschelt. Daher droht Gefahr, in Fußballspielen schießen gelegentlich ja auch unabgesprochen beide Teams gleich viele Tore.

Das macht Löw und Klinsmann zu Zwillingen der Unentschiedenpanik. Sie werden sich überbieten in ihren Strategien, ein Remis zu vermeiden. Durch stürmische Offensive und wenn das nichts mehr hilft durch Eigentore. Die Medizin kennt noch keinen Begriff dafür, doch sie wird einen finden müssen für die Angst vor dem Unentschieden, die dieses badisch-württembergische Derby überschatten wird.

Was ist von den USA zu erwarten?

Vieles, sie darf man nie unterschätzen. Ja, ja, wir wissen, keine Kriegsvergleiche. Aber, bitte, einmal muss eine Ausnahme gestattet sein. Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, wurden ihre Truppen zunächst wegen ihrer mangelhaften Ausrüstung und Unerfahrenheit verlacht. Doch die Frische der "Yankees" und ihr Glauben an den Sieg imponierten. Wer diese WM gewann, ist bekannt.

Der Optimismus, mit dem die Spieler ihr Projekt in Brasilien angehen, ist der gleiche. USA – ein wenig naiv, aber gut. Jürgen Klinsmanns Spieler sind nicht so talentiert wie ihre Gegner. Aber sie spielen mit einem Mut, als ob sie das nicht wüssten. Zum Beispiel gegen Portugals Cristiano Ronaldo, den Weltfußballer. Für seine wichtigste Szene, einer seiner ganz wenigen gegen die USA, mussten mehr als 94 Minuten vergehen. Mit seiner Flanke leitete er den späten Ausgleich ein, sonst wäre das Klinsmann-Team bereits für das Achtelfinale qualifiziert.

Das soll nachgeholt werden, fordert Jermaine Jones, mit dem USA heute wieder tritt. Der aussortierte Schalker spielt eine sehr wichtige Rolle. Und im ersten Spiel gegen Ghana schoss John-Anthony Brooks, der in Berlin keinen Stammplatz hat, das Siegtor. Selbst das schaffen die Amerikaner: Es gibt einen Hertha-Moment bei der WM.

Was wird überraschen?

Die Fans der USA. Die Amerikaner haben keine Kirchen aus dem Mittelalter und keine Ahnung von Fußball – so das Klischee. Das mit den Kirchen mag stimmen. Doch an Leute keiner anderen Nation, den Gastgeber ausgenommen, wurden so viele Tickets verkauft wie an Amerikaner.

Ihr Support ist ein bisschen anders als der von Traditionalisten, nicht in so einer kulturellen Tiefe wie die "Sieg"-Rufe und "Oh, wie ist das schön!"-Gesänge der Deutschen. Aber inzwischen können sie ein gewachsenes Fußballverständnis nachweisen. Jedenfalls fordert kaum noch jemand von den Spielern, dass einer das Ei nach vorne kicken und ein anderer es fangen soll.

Es könnte ein weiteres Auswärtsspiel werden für die Löw-Elf, wie in Salvador und, besonders, in Fortaleza. Vor allem weil die brasilianischen Zuschauer die Gegner unterstützten. Der DFB und sein Partner aus Herzogenaurach haben natürlich vorgebaut. Erstmals wird die Mannschaft in einem echten Spiel das neue rot-schwarze Trikot tragen, sie ist nämlich auch formal Auswärtsteam. Es sind die Farben des beliebtesten Vereins Brasiliens: CR Flamengo aus Rio. Kann ja sein, dass diese Ranschmeiße bei den Brasilianern funktioniert.

Wie lautet die Bild-Schlagzeile am Tag nach dem Unentschieden?

A bissle Gischón 

Fußball-WM - Schluss mit der Freundschaft, Berti Vogts!