Korruptionsvorwürfe bei der WM-Vergabe an Katar lassen unterlegene Bewerberstaaten neu über das Turnier nachdenken: Mitbewerber Australien zieht in Betracht, sich wieder um die Ausrichtung des Sportereignisses zu bewerben. Sollte dem Emirat die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 wieder aberkannt werden, würden die australischen Verbandsverantwortlichen dies ernsthaft in Betracht ziehen, schrieb die Zeitung The Australian. Offiziell äußert sich der Nationale Verband zurückhaltend: Ein Sprecher sagte lediglich, dass man die Untersuchung durch die Fifa seit Monaten verfolge und stark interessiert sei an den Antworten.

Hintergrund ist ein Fall von Bestechung: Die britische Zeitung Sunday Times hatte berichtet, dass der ehemalige katarische Spitzenfunktionär Mohamed bin Hammam fünf Millionen Dollar an Offizielle gezahlt haben soll, um sich deren Unterstützung für Katars WM-Bewerbung zu sichern. 

Der Zeitung liegen demnach geheime Dokumente vor, die dies belegen sollen. Bin Hammam soll schon ein Jahr vor dem entscheidenden Votum der Fifa-Exekutive begonnen haben, Einfluss auf die Vergabe der WM 2022 zu nehmen. Bin Hammam soll dem ehemaligen Exekutiv-Mitglied Reynald Temarii aus Tahiti 305.000 Euro für Anwaltskosten gezahlt haben. Die Entscheidung, die WM nach Katar zu vergeben, hatte Ende 2010 Fußballsachverständige weltweit überrascht.

Mehrheit der Bundesliga-Spieler gegen Katar

Fifa-Vize Jim Boyce hatte nach Bekanntwerden des Korruptionsverdachts eine neue Abstimmung über die WM 2022 nicht ausgeschlossen. Auch aus Deutschland war Derartiges zu hören. Bin Hammam war nicht zum ersten Mal auffällig geworden: 2011 hatte ihn die Ethikkommission des Weltverbandes wegen Verstößen gegen den Ethikcode auf Lebenszeit gesperrt.

Die Verantwortlichen in Katar hatten alle Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Eine Kommission des Verbandes unter Leitung des ehemaligen amerikanischen Staatsanwalts Michael Garcia untersucht derzeit die Vorwürfe. Ein Abschlussbericht wird noch für dieses Jahr erwartet. 

In einer Umfrage des Fachmagazins Kicker sprach sich eine deutliche Mehrheit der Bundesliga-Fußballer gegen die umstrittene Weltmeisterschaft 2022 in Katar aus. 61,6 Prozent der 220 Profis, die an der Befragung teilnahmen, votierten dafür, Katar die WM wieder zu entziehen. 16,1 Prozent stimmten bei der entsprechenden Frage mit Nein. 22,3 Prozent war es egal. Dies geht aus der Umfrage hervor, die das Magazin am Montag veröffentlichte.