Der Fußball-Weltverband Fifa hat ein Disziplinarverfahren gegen Uruguays Nationalspieler Luis Suárez nach dessen Beißattacke bei der Fußball-WM in Brasilien eröffnet. Der Stürmer und der uruguayische Verband hätten bis zum Abend Zeit, ihre Position darzulegen, teilte die Fifa am Mittwochmorgen mit. Suárez hatte beim 1:0 im letzten WM-Vorrundenspiel gegen Italien seinen Gegenspieler Giorgio Chiellini offenbar in die Schulter gebissen. Dem Uruguayer droht als Wiederholungstäter eine lange Sperre. 

Suárez versuchte in einem Interview, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. "Es ist eine normale Bewegung, solche Dinge passieren auf dem Platz", sagte der 27-Jährige dem uruguayischen Fernsehsender Canal 10. "Wir sind Fußballspieler, wir wissen, was auf dem Platz passiert, man sollte dem keine Bedeutung beimessen." Die rasche Eröffnung einer offiziellen Untersuchung zeigt aber, dass die Fifa den Fall ernst nimmt. Bereits am Samstag steht das WM-Achtelfinale Uruguays gegen Kolumbien an. Bis dahin muss die Akte Suárez spätestens wieder geschlossen sein, um den Turnierverlauf nicht zu gefährden. 

"Es gibt keinen Zweifel, dass die Fifa diesen Vorfall sehr ernst nehmen muss und jegliche Aktion unternimmt, die als notwendig erachtet wird", sagte der Vizepräsident des Weltverbands Jim Boyce. "Luis Suárez ist ein fantastischer Fußballer, aber wieder einmal haben seine Aktionen schwere Kritik zugelassen." Suárez war bereits in seiner Zeit bei Ajax Amsterdam und bei seinem derzeitigen Arbeitgeber FC Liverpool für Beißattacken gesperrt worden. Zudem wurde er auch schon wegen rassistischer Äußerungen gegen den Franzosen Patrice Evra für einen längeren Zeitraum verbannt.

Uruguay-Kapitän nennt Chiellini "Heulsuse"

Kritik an dem Verhalten von Suárez kam auch aus dem italienischen Team: Nationaltrainer Cesare Prandelli verurteilte die Beißattacke. "Ich habe die Szene nicht gesehen, aber ich habe die Bissspuren an Chiellini gesehen. Es ist eine Schande."

Der Trainer aus Uruguay, Oscar Tabarez, fand nach der Partie in der Öffentlichkeit keine kritischen Worte für seinen Spieler. Auf die Frage nach seiner Reaktion auf den Vorfall sagte er lediglich: "Es geht um die WM, nicht um die Moral."  

Uruguays Kapitän Diego Lugano nannte Chiellini eine "Heulsuse" und bestritt, dass sein Teamkollege überhaupt gebissen habe. Lugano, der bei dem Spiel verletzt auf der Bank saß, sagte: "Die Bilder beweisen gar nichts, es gab ein Gerangel." Bei den Wunden Chiellinis handele es sich um "alte Narben, das merkt doch jeder Blödmann", sagte der Verteidiger.

Chiellini hatte nach dem Zusammenstoß mit Suárez sein Trikot an der Schulter heruntergezogen, um die Bissspuren zu zeigen."Er ist ein gewaltiges Klatschmaul, eine schlechte Person", sagte Lugano. "Das hätte ich von einem Italiener nie gedacht. Es würde einem Mann besser anstehen, die Niederlage anzuerkennen und zu den eigenen Fehlern zu stehen."