Die Schmach von Gijón! Was wurde nicht alles vor diesem Spiel darüber geschrieben. Würde sich heute Geschichte wiederholen? Eine geheime Absprache zwischen Klinsmann und Löw? Und am Ende zeigen die beiden den Ghanaern und Portugiesen aus dem Flugzeug zum Achtelfinale eine lange Nase? Nun: Tatsächlich hat die deutsche Mannschaft wie damals 1:0 gewonnen. Und tatsächlich stehen beide Mannschaften trotzdem im Achtelfinale.

In der Schwimmhalle von Recife tauchten die Teams, selten war diese Floskel treffender, den größten Teil des Spiels einfach ab. Nicht, weil sie es abgesprochen hatten, sondern wohl eher aus einer "Wir müssen ja nicht" – und "Bäh, viel zu nass hier" – Einstellung heraus. Dass Ghana oder Portugal hoch gewinnen würden, war ohnehin nicht abzusehen. Wozu also etwas riskieren.

Deutschland probierte es zumindest am Anfang noch mit zaghaften Angriffen, zog sich dann aber auch lieber zurück und kontrollierte das Geschehen. Die USA versuchten es bis auf wenige Ausnahmen erst gar nicht in der Offensive. Und so war es dann ein Spiel mit nur einem einzigen echten Highlight: Müller, wer sonst, besorgte den einzigen Treffer und schloss mit Neymar und Messi in der Torschützenliste auf. Der Rest des Spiels war so spannend wie Badekappen-Shopping.  

Was lernen wir daraus? In den drei Spielen der Vorrunde präsentierte sich die deutsche Mannschaft von drei unterschiedlichen Seiten: Als tolle Offensivmannschaft, als schusselige Dramaliebhaber und nun gegen die USA als kalkulierte Ergebnisverwalter. Und im Achtelfinale? Der Gegner wird noch ermittelt, möglicherweise geht es dann gegen Russland oder Algerien. Ersteres hätte eine interessante politische Komponente. Das zweite eine historische: die heißt – genau – schon wieder Gijón.

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Vorbemerkungen

Es heißt ja gerne, die Deutschen hätten ein Problem mit der Vergangenheitsbewältigung, dass sie nicht loslassen können, wollen, dürfen. In Zeiten der Unsicherheit über die eigenen Leistungen und Ansprüche flüchten sich auch die deutschen Fußballfans gerne in die Vergangenheit. So wie vor diesem letzten Gruppenspiel gegen die USA. Plötzlich ist das Sommermärchen wieder die beliebteste Gute-Nacht-Geschichte der Nation und Jürgen Klinsmann so beliebt wie er seit seinem Tritt in die Tonne nicht mehr war.

Wer als fußballungeübter Zuschauer nicht ganz genau hinhört oder hinschaut bei der vielen WM-Berichterstattung, muss vielleicht zweimal überlegen, wer nun eigentlich der aktuelle Bundestrainer ist und wer der Trainer der USA: Der Schwabe Klinsmann mit den weißen Sneakers und der Schlabberhose oder der Badener Löw mit dem schicken Hemd? Und was macht eigentlich der kurze knurrige Hans-Hubert aus Büttgen am Niederrhein jetzt bei den Amerikanern, der die DFB-Elf 1996 zum letzten großen Titel führte?

Dabei geht es im Spiel zwischen den USA und Deutschland ja ohnehin nur noch um Formalitäten. Ein Unentschieden, das reicht für beide Teams zum Weiterkommen, weshalb sich seit Tagen die Menschen fragen, wie sich eigentlich dieses Gijón ausspricht, von dem plötzlich alle reden.

Doch selbst eine Niederlage könnten die Deutschen verkraften. Nur wenn Ghana hoch gegen Portugal gewinnt und Deutschland gleichzeitig deutlich verliert, wird es noch mal eng. Sollte am Ende sowohl Punkte- als auch Torgleichheit zwischen Ghana und Deutschland oder Portugal und den USA herrschen, entscheidet das Los.

Alle rechnerischen Möglichkeiten der Gruppe G

Weitaus unsicherer als das deutsche Weiterkommen schien bis eben noch, ob das Spiel überhaupt angepfiffen wird. Im Spielort Recife an der Atlantikküste regnet es seit Stunden, ganze Straßen stehen unter Wasser. Viele Fans und auch die Mannschaften kommen deshalb nicht so einfach zum Stadion. Die Fifa überlegte zwischendurch sogar, gegebenenfalls das Spiel zu verlegen. Doch nun ist es offiziell: Das Spiel findet statt, der Rasen im Stadion soll bespielbar sein.

Womit wir wieder bei der Vergangenheit wären: Das "Fritz-Walter-Wetter" ist ja auch so eine Sache, die Fußballdeutschland gerne zitiert. Demnach dürfte heute Abend, wenn angepfiffen wird, nichts schiefgehen. Wenn, ja wenn der Klinsmann es nicht doch den vielen deutschen Fans verdirbt. Denn der hat bekanntlich auch einen Spitznamen, der zu diesem nassen Wetter passt: Flipper. 

Trocken ist es jedenfalls in unserem Newsroom in Berlin-Kreuzberg, von wo wir das Spiel livebloggen. Natürlich mit Unterstützung unseres Reporters Oliver Fritsch, der Sie via Twitter aus Recife informiert. Schalten Sie gerne ZDF ein und diskutieren Sie mit, direkt unten im Kommentarfeld. Ab 18:00 Uhr geht es los.