Italien – Uruguay 0:1 (0:0)

Diego Godín hat Uruguay ins Achtelfinale geköpft: Im entscheidenden letzten Gruppenspiel gewannen die Südamerikaner mit 1:0 gegen Italien, das eine halbe Stunde nach einem groben Foulspiel von Claudio Marchisio (59. Minute) in Unterzahl spielen musste. Damit beendet Uruguay die Vorrunde hinter Costa Rica als Zweiter der Gruppe D. Italien scheitert dagegen zum zweiten Mal nach 2010 in der Gruppenphase.

Trainer Cesare Prandelli erklärte im Anschluss an das Spiel seinen Rücktritt. "Ich übernehme die Verantwortung. Etwas hat sich verändert, seit ich meinen Vertrag verlängert habe. Ich weiß nicht warum. Es hat nicht funktioniert. Mein Rücktritt ist unwiderruflich", sagte Prandelli.

Neben Prandelli kündigte auch Italiens Verbandspräsident Giancarlo Abete seinen Rückzug an. Die Entscheidung sei bereits vor der WM gefallen. "Wenn wir zurück sind, werde ich eine Verbandssitzung einberufen. Ich hoffe, dass Cesare seine Entscheidung zurücknimmt", sagte Abete.

Prandelli hatte die Squadra Azzurra nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2010 als Nachfolger von Marcello Lippi übernommen und das Team anschließend bei der EM 2012 ins Finale geführt. Erst im Mai hatte der 56-Jährige seinen Vertrag bis 2016 verlängert. In der Vorrunde war Italien mit einem 2:1 gegen England gestartet, verlor dann aber gegen Costa Rica 0:1 und verpasste schließlich gegen Uruguay das Weiterkommen.

Rückfall von Suárez

Für den negativen Höhepunkt einer Partie mit vielen Fouls sorgte Uruguays Stürmerstar Luis Suárez, dessen Beißattacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini in der 79. Minute vom mexikanischen Schiedsrichter Marco Rodriguez nicht geahndet wurde. Zwei Minuten später sorgte Godín für die Entscheidung, als er einen Eckball von Gaston Ramirez per Kopf im Tor der Italiener unterbrachte. 

Der Biss gegen Chiellini war nicht der erste Zwischenfall dieser Art von Suárez. Bereits zweimal war der Torjäger vom FC Liverpool wegen einer Beißattacke negativ aufgefallen. Erst zu Saisonbeginn hatte er noch sechs Spiele aussetzen müssen, nachdem er in der vergangenen Saison Branislav Ivanović vom FC Chelsea in den Arm gebissen hatte. Und in seiner Zeit bei Ajax Amsterdam hatte er im Spiel gegen den PSV Eindhoven Gegenspieler Otman Bakkal ebenfalls in die Schulter gebissen.

Seit dem Vorfall in der vergangenen Saison war es eigentlich ruhiger um Suárez geworden. Mit 31 Toren wurde er Torschützenkönig in der Premier League und hätte Liverpool beinahe zur Meisterschaft geführt. Der Rückfall könnte ihm nun nachträglich eine WM-Sperre einbringen.

Pirlo machtlos

Italien hätte ein Unentschieden zum Weiterkommen gereicht. Um das zuletzt maue Angriffsspiel seiner Mannschaft zu beleben, hatte Italiens Trainer Cesare Prandelli seinem Stürmer Mario Balotelli den künftigen Dortmunder Ciro Immobile zur Seite gestellt. Doch auch mit Doppelspitze fehlte in der Offensive die Durchschlagskraft, obwohl Andrea Pirlo auch dieses Mal wieder als Ballverteiler funktionierte.

Der 35-Jährige holte sich die Bälle oft weit hinten, um das Spiel seiner Mannschaft anzukurbeln, doch zwingende Chancen blieben in einer von vielen erbitterten Zweikämpfen geprägten Partie aus. Eine der besten Gelegenheiten hatten die Italiener bei einem Pirlo-Freistoß aus gut 30 Metern, den Uruguays Torwart Fernando Muslera mit Mühe über die Latte lenkte (12.).

Uruguays Trainer Oscar Tabarez ließ seine Mannschaft erstmals im Turnier im 3-5-2-System spielen. Obwohl sie unbedingt gewinnen mussten, investierten die Südamerikaner aber nur wenig in das Spiel. In der Spitze wurde immer wieder der gegen England zweimal erfolgreiche Suárez gesucht. Doch der Stürmer sah sich meist mehreren Abwehrspielern gegenüber.

Erst in der 33. Minute entzog sich der Superstar seinen Bewachern nach einem Doppelpass mit Edinson Cavani, konnte den glänzend reagierenden Gianluigi Buffon im Tor der Italiener aber aus spitzem Winkel nicht überwinden. Auch beim Nachschuss von Nicolas Lodeiro war der gegen Costa Rica nicht fehlerfreie Buffon auf dem Posten.

Mit Beginn der zweiten Spielhälfte nahm Prandelli seinen Gelb-Sünder Balotelli für den defensiveren Marco Parolo vom Feld und stellte auf ein 3-6-1 um. Die Folge war noch mehr Ballgeschiebe im Mittelfeld. Erst in der 58. Minute gab es den nächsten Aufreger des Spiels durch Cristian Rodriguez, der zwei Italiener stehen ließ, aber knapp an der langen Ecke vorbei schoss. Wenig später war das Spiel für Marchisio beendet, der nach einem Tritt gegen Egidio Arevalo Rot sah.

In Überzahl gab Uruguay seine Zurückhaltung auf und erhöhte den Druck. In der 66. Minute verhinderte Buffon gegen Suárez einen Rückstand. Erst in der Schlussphase gelang der entscheidende Treffer durch Godín.

Italien:  Buffon - Barzagli, Bonucci, Chiellini – Darmian, Verratti (75. Thiago Motta), Pirlo, Marchisio, De Sciglio – Balotelli (46. Parolo), Immobile (71. Cassano)

Uruguay:  Muslera - González, Giménez, Godín, Cáceres, Álvaro Pereira (63. Stuani) – Lodeiro (46. Maxi Pereira), Arévalo, Cristian Rodríguez (78. Ramírez) - Cavani, Suárez

Schiedsrichter: Rodríguez (Mexiko)

Zuschauer: 39.706

Tore: Godín (81.)

Gelbe Karten: Balotelli, De Sciglio / Arévalo, Muslera

Rote Karten: Marchisio (59./grobes Foulspiel)

Bester Spieler: Pirlo, Verratti / Godín, Cristian Rodríguez