Aus eigener Kraft konnten sie es in die Zwischenrunde nicht mehr schaffen: Südkoreas Nationalelf war auf Hilfe von außen angewiesen. Russland musste nämlich im zeitgleich stattfindenden Spiel gegen Algerien erfolgreich sein und das half auch nur dann, wenn die Südkoreaner hoch gegen Belgien gewinnen. Hoch bedeutet: es hätten ordentlich Tore vorgelegt werden müssen, um die schlechte Torquote Südkoreas in Gruppe H auszugleichen.

Diese Ausgangslage war besonders gemein. Denn für die tapferen Ostasiaten ging es ausgerechnet gegen den ungeschlagenen Dominator dieser Gruppe. Und obwohl diese Belgier mit einigen Reservespielern antreten – es werden wichtige Spieler fürs Achtelfinale geschont – verzagte Südkoreas WM-Pate doch ob dieser Lage. Es ist nicht nur die Abhängigkeit vom Parallelspiel. Es ist vor allem die leider wirklich schlechte Abwehr, die ihm nach dem verlorenen Algerien-Spiel große Sorge bereitet.

Immerhin hat das Paten-Team heute seinen bekannten Kampfgeist wiedergefunden: Kein Ball wird verloren gegeben. Kommt schnelles und schnörkelloses Passspiel hinzu, werden die südkoreanischen Angriffe auch gefährlich. Den Schneid lassen sie sich nicht wieder abkaufen, so wie es die Algerier mit ihnen am Sonntag getan hatten.  

Lernen von Japans Frauen

Nach 30 Minuten dann endlich ein satter Fernschuss, den Belgiens Torwart mit Mühe nur abwehrt, die nachfolgende Ecke kratzt ein belgischer Abwehrspieler von der Linie. Derartige Chancen haben die Belgier kaum, im Gegenteil: Ende der ersten Halbzeit fliegt ein ebenso ruppiger wie kräftig tätowierter Defensivmann der Belgier vom Platz.

In der zweiten Halbzeit spielen also elf gegen zehn. Doch echte Dominanz ob der Überzahl für Südkorea sollte nicht aufkommen. Die Benelux-Abwehr um den mächtigen – wie für Fußballerverhältnisse alten – Stopper-Libero Van Buyten bleibt stabil.

Eine ordentliche Torchance auf jeder Seite, das war es dann bis zur 77. Minute: Belgiens Jan Vertonghen staubt einen Konter ab, 1:0, kurz vor Schluss fast noch das 2:0. Das wäre zwar zu viel des Guten gewesen, doch gegen die fiese wie gnadenlose Effizienz selbst der belgischen B-Formation ist für die Südkoreaner kein Kraut gewachsen. Selbst in Überzahl. Die Südkoreaner haben sich am Ende sehr tapfer aus dem Turnier verabschiedet. Zu Hause wird man ihnen nach diesem Spiel nicht gram sein, trotz der wirklich hohen Erwartungen, mit denen die Mannschaft nach Brasilien verabschiedet wurde.

Bleibt am Ende die Feststellung, dass Fußball in Ostasien zwar sehr beliebt ist, dass die Qualität der Teams dort aber zu wünschen übrig lässt – zumindest bei den Männern. Wie moderner Fußball aussehen kann, machen hier nämlich Japans Frauen vor. Fragt sich nur, ob die eher konservativen Herren bereit sind, sich davon auch mal was abzuschauen. Das wäre schön, denn in vier Jahren will Südkoreas WM-Pate mit seinem Team unbedingt mal wieder in die Zwischenrunde.