Das ist seine Aufgabe: Ran an die Sau. Königsholger ist Pointeur, er soll seine Kugeln nah an das Cochonnet legen. Das unterscheidet ihn deutlich von den Tireuren, die gegnerische Kugeln gewaltig wegschießen sollen. Schießer, also die Tireure, seien die Dominanten, erzählt man sich, Leger wiederum die Devoten. "Alles Unsinn", sagt Holger. Ein guter Spieler beherrsche beides. Holger kann ausdauernd referieren von den Nuancen des Legens und des Schießens, von der Euphorie eines carreau sur place, das hellmetallisch klackert, wenn eine Kugel die gegnerische aus dem Geschehen treibt. "Hör auf zu labern, spiel' lieber", rufen die anderen.

Neben Konzentration und Technik sind nämlich auch die verbalen Qualitäten gefragt im Boulodrom. Hebt einer zum Wurf an, raunen andere: "Denk an den Fauxpas letzte Woche" oder "Jawoll, riech' an meiner Sau". Sie wollen ihren Gegner irritieren. Gelingt dem die nächste Kugel trotzdem, applaudiert aber auch die Pétanque-Gemeinde, nur eben mit Kugeln statt der Handflächen.

Das Spiel in seiner heutigen Form verdanken sie einem Rheumatiker, Jules Le Noir. Der Kaufmann und exzellente Jouer de Boule aus der provenzalischen Hafenstadt La Ciotat wurde 1910 von so starken Rheuma-Schmerzen geplagt, dass er weder den damals üblichen Ausfallschritt der Pointeure, noch die drei einbeinigen Anlaufschritte der Tireure jener Zeit ausführen konnte. Ein Freund Le Noirs erdachte daraufhin das Spiel auf kürzere Entfernung ohne Anlauf. Es war die Geburt des Pétanque, per tanco bedeutet: mit geschlossenen Füßen.

Heute wird die Zahl der hierzulande Aktiven auf eine Million geschätzt, sie unterstehen der Organisation des Deutschen Pétanque Verbandes. Dann und wann kommt es bei den Turnieren zu Schlägereien, auch zu Schiedsrichterbeleidigungen. Sein größtes Problem, das mit dem Doping, hat der Sport vor fünf Jahren aber überwunden. Da wurde Alkohol von der Liste der unerlaubten Mittel gestrichen. Romolo Rizzoli, der Präsident des Boule-Weltverbands, argumentierte schlagend: "Seien wir vernünftig: Man darf nach zwei Gläsern Wein Auto fahren, aber nicht Boule spielen?"

Mit ein paar Schlucken wird die Hand ruhiger, bestätigt Holger. Statt des typisch französischen Schnaps Pastis gehören immer ein paar Flaschen Bier zu seinem Equipment. Seinen Fetzen Südfrankreich in Berlin liebt er auch deswegen.