Durchstreift man die gängigen Bilddatenbanken dieser Tage nach Abbildungen des designierten DFB-Sportdirektors Hans-Dieter Flick, wird der Irrsinn deutlich.

Es gibt ihn kaum, den Flick ohne den Löw, den Bundes-Co- ohne seinen Bundestrainer. Da trennt sich jetzt, was zusammengehört. Unvorstellbar, dass jemand anderes als Flick das gleiche Maßoutfit, die gleiche Lässigkeit wie Joachim Löw zur Länderspielschau trägt.

Aber es geht weiter, auch nach einem Weltmeistertitel. Die verwaiste Position muss neu bemannt werden. Aller Voraussicht und Tradition nach mit einem Trainer aus dem Jugendbereich des DFB, das der Sportdirektor Flick verantwortet. Der Bundestrainer wird seinem Intimus also direkt zum Amtsantritt einen etablierten Juniorentrainer wegnehmen. Das ist heikel, weil bei der Personalie genau abgewogen werden muss zwischen den Interessen der A-Nationalmannschaft und denen ihres Unterbaus.

Wormuth ist nicht zu ersetzen

Dem Vernehmen nach besitzt Frank Wormuth, aktueller U20-Nationaltrainer, gute Chancen auf das Flick-Erbe. Wormuth kann mit Löw. Neben ihm spielte er seine Debütsaison als Profi 1982/83 in Freiburg. 1998/99 assistierte er ihm bei Fenerbahce Istanbul. Die beiden besprechen sich bis heute regelmäßig, weil Löw Wormuths Expertise schätzt. Da ist er nicht der einzige.

Gibt es irgendwo auf der Welt eine fußballtaktische Neuerung, der 53-jährige Fußballlehrer erklärt sie. Wormuth ist Kolumnist einschlägiger Fachblätter, wenn man aber nett fragt, kann er die Tendenz zum "diametral abkippenden Sechser" auch Unkundigen erläutern. Mit seiner Theorie des "geplanten Fehlpasses" sorgte Wormuth kürzlich auf einem Trainerkongress für Aufregung. Wormuth predigt Räume und Überzahl, wird aber vor allem für seine induktive Arbeit gelobt. Unter Wormuth trainieren, heißt: diskutieren, verstehen, entscheiden.

Seine Beförderung in die A-Nationalmannschaft würde beim DFB aber eine Lücke hinterlassen, da Wormuth ein noch besserer Trainermacher als Trainer ist. Seit sechs Jahren leitet er die Hennes-Weisweiler-Akademie für angehende Fußballlehrer. Einmal vergriff er sich im Ton, als er einen unterarmamputierten Absolventen anging. Der bleibende Eindruck ist aber ein anderer: Wormuth reformierte den Lehrgang, der mittlerweile jedes Jahr vielversprechenderen Nachwuchs hervorbringt.

Ein Ulmer mit Attraktion

Eine Variante könne zwar sein, Wormuth zu den Länderspielen hinzuzuziehen, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach im Aktuellen Sportstudio. Das gab es schon einmal beim DFB, zwischen 2000 und 2004 assistierte der damalige Chefausbilder Erich Rutemöller dem Teamchef Rudi Völler. Allerdings betonte Niersbach auch, dass Wormuth "unglaublich wichtige Arbeit" in der Trainerausbildung mache. Er ist an der Basis nicht zu ersetzen. "Mit mir hat darüber noch keiner gesprochen, und ich habe mir deshalb auch noch keine Gedanken darüber gemacht", sagt Wormuth.

Auch Marcus Sorg, ein anderer Anwärter auf die Flick-Position, fehlt für solche Gedankenspiele die Zeit. Sorg steht mit der deutschen U19-Nationalmannschaft im EM-Finale in Ungarn. Der 45-Jährige hat nicht den Status von Wormuth, aber einen ähnlichen Fußballhorizont. Sorg ist ein Vertreter der "neuen" Übungsleitergeneration, deren Fachwissen sich nicht zu Lasten der sozialen Intelligenz ausgebildet hat. Auffällig oft ist sie im Schwäbischen (Ralf Rangnick, Thomas Tuchel, Robin Dutt, Jürgen Klopp) oder Badischen (Löw, Flick) angesiedelt. Sie sieht ihr Wirken eher als lebenslanges Lernen denn als Erfolgverwaltung.

Der gebürtige Ulmer Sorg mag das Attraktionsspiel. Seinen Stil umschreibt er mittels dreier Worte: "schnell nach vorne". Das ging auch schon nach hinten los. Beim SC Freiburg wurde der Diplom-Ingenieur für Grundlagen- und Bauphysik im Sommer 2011 Cheftrainer und am Jahresende beurlaubt. Zum ersten Mal in seiner Bundesliga-Geschichte trennte sich der SC vorzeitig von einem Trainer.

Erst Assistent, dann Bundestrainer

Sorg ging zurück in den Jugendfußball, zur B-Jugend des FC Bayern, später zum DFB. Das bekam ihm. Die dieser Tage so erfolgreiche U19-Nationalmannschaft trägt sein Gesicht, Sorg heimst viel Lob ein, von ihr und für sie. Sein Name wurde immer wieder genannt in DFB-Kreisen.

Genauso wie der Thomas Schneiders, Thomas Tuchels oder Christian Wücks. Letzterer ist U17-Nationaltrainer und beobachtete während der Weltmeisterschaft in Brasilien Deutschlands Gegner für Joachim Löw. Er scheint das ganz gut gemacht zu haben, Wücks Name steht auf Löws Liste. Tuchels nicht mehr, sein Sprecher sagte kürzlich ab. Tuchel ist nach fünf guten Mainzer Jahren wohl vor allem zu arriviert, als dass er sich hinter jemandem anstellen würde. Ganz im Gegenteil zu Schneider, der Löw gut kennt. Unter ihm als Trainer hatte er seine beste Zeit als Profi beim VfB Stuttgart, wurde 1997 Pokalsieger. Heute gilt Schneider als Trainer-Talent, weil er den Wormuth-Lehrgang mit einer 1,3 abschloss und bei Jugendteams überzeugte, während seiner Zeit als Cheftrainer des VfB für höhere Aufgaben aber zu labil wirkte.

Die Wahl des 14. deutschen Co-Trainers hat noch Zeit. Anfang September könnte Hansi Flick für das Freundschaftsspiel gegen Argentinien nochmal den Platz neben Löw einnehmen. Der hat seine Weltmeisterkarriere einst als Assistent Jürgen Klinsmanns begonnen, was Tradition hat beim DFB: Auch Erich Ribbeck war mal Co. Das will, darf man aber nicht verschweigen.

Aber da gab es auch den Welt- und Europameister Helmut Schön, Jupp Derwall, Sepp Herberger oder Berti Vogts, die ebenfalls in Nebenrollen begannen. Die Entscheidung für einen Löw-Assistenten könnte auch die für seinen Nachfolger sein.