Was wird passieren?

Finale. Deutschland gegen Argentinien im Maracanã – jetzt mal alle kurz innehalten, das Bier und die Caipirinha zur Seite stellen, denn das wird ein sporthistorisches Ereignis. Da verblasst selbst das Relegationsspiel zwischen Greuther Fürth und dem HSV. Von den Spielern haben zwar einige die Champions League gewonnen, die ist sportlich höherwertig. Doch ein WM-Finale ist das größte Fußballspiel. Mehr als ein Mal im Leben spielt man so etwas nicht. Es sei denn, man heißt Miroslav Klose, der war schon 2002 bei der Niederlage gegen Brasilien dabei.

Die deutsche Elf gilt vielen als Favorit. Joachims Jungs haben das gegen Brasilien ja ganz ordentlich gemacht. Doch die Argentinier haben sich viel vorgenommen, nachdem sie zuletzt zwei Mal gegen Deutschland verloren haben. 2010 gewann Deutschland 4:0, sogar Arne Friedrich schoss ein Tor. 2006 war die Demütigung noch größer. Im Elfmeterschießen holte Jens Lehmann den Zettel aus dem Stutzen. Das haben die Argentinier als Provokation eines Strebers begriffen und nicht vergessen.

Argentiniens Elf hat in den drei K.o.-Spielen kein Gegentor kassiert, sie hat fünf von sechs Spielen mit einem Tor Unterschied gewonnen, das andere im Elfmeterschießen. Das Endspiel könnte also eine zähe Angelegenheit werden, zumal die Argentinier Deutschlands Halbfinale gesehen haben.

Was man in jedem Fall sagen kann: Die deutschen Spieler strahlen Entschlossenheit aus. Sie erinnern an die Bayern im Jahr 2013 (es sind ja auch Großteils dieselben). Denen konnte man schon im Viertelfinale an den Gesichtern ablesen, dass das was werden könnte mit dem Triple. Nach dem Sieg gegen Brasilien ließen sie nicht eine Spur Stolz und Triumph erkennen, sondern auch den Ausdruck: Es ist noch gar nichts gewonnen.

Die Nationalmannschaft könnte also zum ersten Mal seit 24 Jahren Weltmeister werden. Damals gingen die meisten Spieler des aktuellen Jahrgangs nicht einmal zur Schule. Auch Klose war damals noch nicht dabei.

Was hat Argentinien zu bieten, neben Messi?

Das deutsche Team ist in etwa gleichwertig besetzt. Das kann man von Argentinien nicht behaupten. Große Teile der Elf verstehen sich als Zulieferer für Lionel Messi. Der beste Fußballer der Gegenwart wurde von seinen Landsleuten lange nicht geliebt. Für den FC Barcelona spielte er märchenhaft, für Argentinien jedoch meist mittelmäßig.

Dieses Jahr ist das anders. Messi schoss vier Tore, im Achtel- wie im Viertelfinale bereitete er das Siegtor vor, im Halbfinale traf er vom Elfmeterpunkt. Wenn einer Argentinien im Maracanã zum Weltmeister machen kann, dann ist es Messi.

Weil er im Mittelfeld spielt, könnte er vermehrt auf Bastian Schweinsteiger treffen. Der müsste folglich nicht weniger als das Spiel seines Lebens machen. Und weil Messi gerne nach rechts weicht, dürfte er häufig auf Benedikt Höwedes stoßen. Höwedes gegen Messi – vom Glamour-Faktor nicht ganz dieselbe Liga. Doch wenn der Schalker ihn stoppt, hätte er seinen Kritikern eine lange Nase gedreht.

Einen der Argentinier muss man noch erwähnen: Eine Schlüsselrolle fällt Javier Mascherano zu, dem defensiven Mittelfeldspieler. Im Halbfinale bewahrte er mit einer kühnen Grätsche gegen Arjen Robben sein Team vor dem Aus. Der 30-jährige Profi des FC Barcelona ist das Alphatier in der Defensive. Schon beim FC Liverpool zählte er zu den besten Mittelfeldspielern der Welt, die Männer jubeln lassen:

Und die Historie?

Diese WM ist für den deutschen Fußball eine Begegnung mit der Vergangenheit: Gijón, Algerien, Battiston. Und jetzt Argentinien. Es ist das dritte Mal nach 1986 und 1990, dass die beiden Länder im WM-Finale aufeinandertreffen. So oft sah man keine andere Paarung. (Es gab erst ein weiteres Duell zwei Mal: Brasilien gegen Italien 1970 und 1994.)

1986 gewann Argentinien 3:2. Nie zuvor, nie danach hat ein Spieler in einem WM-Turnier so gestrahlt wie Diego Maradona in Mexiko. Im Viertelfinale gegen England schoss er das Tor des Jahrhunderts, im Halbfinale konnten ihn fünf belgische Verteidiger nicht aufhalten, im Endspiel legte er das Siegtor auf. Vier Jahre später unterlag Maradona mit seinem Team in Rom 0:1. Beide Spiele lebten von der Spannung, nicht von der Qualität. Beide Male gewann der Bessere. Möge dies auch in Rio so sein.

Worum gehts eigentlich genau?

Um eine Statue aus Gold, den WM-Pokal. Nur Weltmeister und Staatsoberhäupter dürfen ihn anfassen, alle anderen müssen Handschuhe tragen. So besagt es eine Regel der Fifa (eine der vernünftigeren). Seit 1974 gibt es ihn, Franz Beckenbauer nahm ihn in München als Erster entgegen. Die Vorgänger-Trophäe, der silberne Coup Jules Rimet, war nach Brasilien gewandert, weil Brasilien ihn drei Mal gewann (1958, 1962 und 1970). Vor sieben Jahren klauten übrigens Diebe Jules Rimet und schmolzen ihn ein. Schämt Euch!

Der Sieger des heutigen Endspiels wird das erste Land sein, das den Pokal zum dritten Mal gewinnt. Doch dürfen ihn weder deutsche noch argentinische Spieler behalten, der Sieger bekommt bloß eine Kopie. Das Ding wiegt rund 6 Kilogramm und misst 37 Zentimeter. Philipp Lahm ist also deutlich größer.

Und wie lautet die "Bild"-Schlagzeile am Tag danach?

Kaiserkrönung Jogis I. in Rio

Vor dem WM-Finale - Oliver Fritsch macht den "Kaiser Franz"