Wie lief das Spiel?

Irgendwie oldschool. Ein Freistoß, Kopfball, Tor und dann ordentlich verteidigt. Das erinnerte an die Achtziger, wenigsten blieb Toni Schumacher dieses Mal im Tor und ließ Battiston ... 
Schon die Aufstellung der Deutschen war ein Trip in die Vergangenheit, ein kleiner. Mit Klose im Sturm, Lahm als Außenverteidiger sowie Khedira und Schweinsteiger im Mittelfeld warf Löw alles um, was er sich in den vergangenen Monaten so überlegt hatte. Millionen Couchbundestrainer klopften sich auf die Schenkel und vermuteten insgeheim, Löw habe vielleicht irgendwie doch gehört, was sie so vor dem Fernseher vor sich hingehobbybundestrainert haben: "Endlich Jogi, endlich, jetzt hast du es kapiert!"

Der Anfang des Spiels gab ihnen zunächst Recht. Die Deutschen kontrollierten und gingen in Führung. Doch je länger gekickt wurde, umso mehr offenbarte sich die Schwäche der 2010er-Aufstellung. Später, als bei Khedira und Schweinsteiger alters- und fitnessbedingte Müdigkeit einkehrte, lag das deutsche Mittelfeld brach wie ein ausgedörrter Acker. Und Philipp Lahm merkte man an, dass er keine Ballmaschine, sondern ein Mensch ist. Er streute den einen oder anderen Abwehrfehler ein. Da sah alles nach einem Zweithalbzeit-Ausgleich der Franzosen aus. Allein Hummels, Neuer und Jesus, der von oben in das Maracanã schaute, verhinderten das. Dieses Spiel war also mitnichten ein Sieg der Löw'schen Umstellung.

Ist es ein gerechtes Ergebnis?

Was ist das eigentlich für eine Frage? Gerechtigkeit ist im Fußball keine Kategorie. Selbst Löw hat sich von "schön" oder "unschön", "gut" oder "böse" mittlerweile verabschiedet. Er will gewinnen, diesen blöden Titel, und wenn seine Spieler den Weg zur Pokalübergabe in gut einer Woche stolpern, wie vor Kurzem Thomas Müller bei seinem Freistoß-"Trick".

Wer war der Spieler des Spiels?

Mats Hummels. Gut, dass er Hustenschnupfenheiserkeit überwunden hat. Vorne ließ er einen Ball übers leicht gelockte Haupthaar ins Tor rutschen und feierte so cool und stilsicher, wie nur jemand feiern kann, dessen Freundin eine Styling-Kolumne für die Bild schreibt. Hinten brachte er immer wieder einen Fuß dazwischen. Zuletzt bei einer Grätsche gegen Benzema. Auch dabei sieht keiner so elegant aus wie Mats Hummels.

Was war die Szene des Spiels?

Manuel Neuers Reflex in der Nachspielzeit gegen Benzema. Neuer kann auch Libero spielen, das wissen wir spätestens seit dem Achtelfinale gegen Algerien. Aber kein Libero kann auch Bälle halten, zumindest nicht solche. Bis zur Zeitlupe dachten alle Zuschauer, der Ball wäre an die Latte gegangen. Stimmt nicht. Es war Neuers Pranke, von der das Spielgerät abprallte und fast aus dem Stadion flog. Es ist davon auszugehen, dass Neuer das nächste Mal den Ball einhändig fängt, zerquetscht und am nächsten Morgen zum Frühstück isst.

Was bedeutet der Sieg für die deutschen WM-Chancen?

Och, so ein Viertelfinal-Sieg schadet dafür nicht.

Was war sonst noch wichtig?

Die Einstellung. Die Mannschaft von Löw hat erneut gekämpft, mit Herz gespielt und vielleicht dadurch etwas Glück gehabt. Wenn man dazu bedenkt, dass andere Favoriten (also die Verbliebenen, nach Spanien und Italien) bisher wenig imponiert haben, ist das ein Wettbewerbsvorteil. Bei dieser WM gibt es keine Übermannschaft. In anderen Worten: Weltmeister zu werden, schien lange nicht so einfach wie dieses Jahr.

Und die Statistik?

Frankreich: Lloris – Debuchy, Varane, Sakho (72. Koscielny), Evra – Cabaye (73. Remy) - Pogba, Matuidi – Valbuena (85. Giroud), Benzema, Griezmann
Deutschland: Neuer – Lahm, Boateng, Hummels, Höwedes – Schweinsteiger, Khedira – Müller, Kroos (90.+2 Kramer), Özil (83. Götze) – Klose (69. Schürrle)
Tor: 0:1 Hummels (12.)
Zuschauer: 74.240