Vielleicht ist Amzad Hossain, 63 Jahre, Bauer in einem kleinen Dorf nahe der Stadt Magura im Südwesten von Bangladesch, der größte Fan der deutschen Nationalmannschaft in Südasien. Nur seinetwegen reiste der oberste deutsche Diplomat des Landes, Ferdinand von Weyhe, am Samstag fünf Autostunden von der Hauptstadt Dhaka in Hossains Dorf.

Der Diplomat wollte den Bauern Hossain im Namen der Bundesregierung ehren, mit einer lebenslangen Mitgliedschaft im offiziellen Fanklub der Nationalmannschaft. Dazu gab es eine offizielle Dankesurkunde der deutschen Botschaft und ein Trikot. Die Zeremonie im Stadion von Magura verfolgten Hunderte Schaulustige, Dutzende Journalisten und Fotografen: Ein Bild des überglücklichen Hossain mit dem deutschen Botschaftschef und seinem neuen DFB-Trikot schmückt heute die Titelseiten der Sonntagszeitungen in Bangladesch.

Der Grund für die landesweite Aufmerksamkeit ist schwarz-rot-gold und 3,5 Kilometer lang: Hossain hat die wohl größte Deutschlandfahne der Welt nähen lassen und dafür ein Vermögen ausgegeben. Damit wolle er seine Liebe zu seiner Lieblingsmannschaft ausdrücken, sagt Hossain. Drei Schneider seien mit den Näharbeiten beschäftigt gewesen. Dazu kam die riesige Menge an Stoff. Um die 150.000 Taka, das sind umgerechnet mehr als 1400 Euro, habe ihn das alles gekostet. Die Summe habe er nur deshalb aufbringen können, weil er einige seiner Ackerflächen verkauft habe.

Die Zuneigung des bangladeschischen Bauern für Deutschlands Fußballer hat eine Geschichte. 1987 erkrankte Hossain an den Nieren, unheilbar, wie ihm gesagt wurde. Er litt Schmerzen, war lange Zeit verzweifelt. Was dem Vater von zehn Kindern das Leben schließlich wieder lebenswert machte, war ein Medikament "Made in Germany". Seitdem kennt seine Begeisterung für Deutschland und seine Fußballmannschaft keine Grenzen mehr.

Der Landwirt ist nicht der einzige Fan, der in Bangladesch für Deutschland die Daumen drückt, wenn heute um ein Uhr nachts Ortszeit das WM-Finale angepfiffen wird. In der Millionen-Metropole Dhaka hat sich die Zahl der nachgenähten Deutschland-Trikots im Stadtbild sichtbar erhöht seit dem 7:1-Sieg der Deutschen gegen Brasilien. An Ampeln verkaufen fliegende Händler deutsche Fan-Wimpel, auf vielen Dächern und an Häuserwänden flattern unübersehbar schwarz-rot-goldene Fahnen im Wind. Meistens hängen sie zwar falsch herum, also Gold-Rot-Schwarz, aber solche Details sind in Dhaka nicht so wichtig. Hauptsache "Germany!"

Ferdinand von Weyhe, amtierender Botschafter der Bundesrepublik in Bangladesch (Krawatte) neben Amzad Hossain © Deutsche Botschaft

Erzählen deutsche Besucher in diesen Tagen, wo sie herkommen, haben sie sofort neue Freunde gewonnen. "You win! I know!", heißt es dann begeistert, oder es folgt eine euphorische Ad-hoc-Aufzählung der deutschen Stammspieler: "Müller, Lahm, Khedira!" Wenn heute Nacht das Finale angepfiffen wird, dann werden überall in Dhaka Menschen auf den Straßen sein und sich um provisorisch aufgestellte Fernseher scharen.

Das alles in einem Land, wo Cricket der wichtigste Volkssport ist und es erst seit 2006 eine eigene Fußballliga gibt. Die hiesige Nationalmannschaft steht auf Platz 167 der Fifa-Weltrangliste, sie hat sich seit Jahren für kein bedeutendes Turnier qualifiziert.

Südwestlich von Dhaka in Maguro ist Bauer Hossain auch von einem Sieg der Deutschen überzeugt. Für den Fall, dass Joachim Löw und seine Mannschaft heute Nacht den WM-Titel holen, hat er bereits Pläne. Tausend Menschen will er dann in sein Dorf zur Siegesfeier einladen. Und anschließend eine noch größere Deutschlandflagge nähen lassen.