Das Land Bremen will Veranstalter unter bestimmten Umständen an den Kosten der Sicherheitsvorkehrungen beteiligen – doch die Pläne stoßen in anderen Bundesländern und in den Sportverbänden auf Kritik. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hält den Plan der Hansestadt für falsch, Fußballvereine für Polizeieinsätze bei Spielen zahlen zu lassen. Zumindest will er den Verantwortungsbereich der Veranstalter klar geregelt wissen.

"Für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt die originäre Zuständigkeit beim Staat und damit bei der Polizei", sagte der CSU-Politiker. "Wenn HSV-Fans am Marienplatz randalieren, kann man nicht den FC Bayern dafür verantwortlich machen." Der Beitrag der Vereine müsse sein, Gewalttäter auf Dauer von Fußballspielen auszuschließen und gegen Pyrotechnik einzuschreiten. 

Nach Ansicht des bayerischen Innenministers sind die Veranstalter von Fußballspielen oder anderen Großveranstaltungen "generell in den eigenen Räumen und eigenen Veranstaltungsorten für den geordneten Ablauf selbst zuständig". Auch müssten sie für eine ausreichende Anzahl an Ordnern sorgen.

Mit seiner Kritik reagiert Herrmann auf den Vorstoß aus dem hoch verschuldeten Bremen, das als erstes Bundesland die Fußballvereine für Polizeieinsätze bei Risikospielen in der Bundesliga zur Kasse bitten will. 

Bremen will, dass bei Veranstaltungen mit mehr als 3.000 Zuschauern gezahlt wird, die gewinnorientiert sind und bei denen gewalttätige Ausschreitungen zu befürchten sind. Kinderfeste oder etwa Laufveranstaltungen sollen davon ausgenommen sein, nicht aber risikobehaftete Begegnungen zwischen Teams, von deren Fans Gewalt ausgehen könnte. 

Die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga verursachen nach Schätzungen der Deutschen Polizeigewerkschaft gut 90 Millionen Euro Kosten.

De Maizière gegen Übernahme

Auch die Deutsche Fußball Liga kündigte Widerstand an. Liga-Präsident Rainer Rauball sagte, er wolle beantragen, einstweilen kein Länderspiel nach Bremen zu vergeben. Es könne nicht sein, dass die Liga im Nachhinein für Kosten in Anspruch genommen werde. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sicherte Rauball seine Unterstützung zu. Damit ist auch das EM-Qualifikationsspiel Deutschlands am 14. November im Weserstadion gegen Gibraltar gefährdet. Raubball kündigte an, die vorgesehene Zusage rückgängig zu machen.  

"Wir haben das gemeinsame Interesse, Chaoten und Gewalttäter aus den Stadien herauszuhalten. Das erreichen wir nicht durch das Ausstellen von Rechnungen", sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, NRW-Innenminister Ralf Jäger in Düsseldorf. Sein Ziel sei es, die vorliegenden Konzepte zur Verbesserung der Sicherheit bei Fußballspielen gemeinsam mit den Fußballverantwortlichen zügig umzusetzen und so die Einsatzzeiten der Polizei dauerhaft zu reduzieren. 

Der für den Sport und die Sicherheit zuständige Bundesminister Thomas de Maizière hatte sich zuletzt entschieden gegen eine Kostenübernahme durch Veranstalter ausgesprochen. Die Probleme können nicht dem Veranstalter, sondern müssten den Gewalttätern zugerechnet werden, sagte der CDU-Politiker.

Die Bremische Bürgerschaft beabsichtigt, im September über den Plan des Innensenators abzustimmen.