Wie lief das Spiel?

Ganz hervorragend, spielerisch für die Algerier, ergebnistechnisch für die Deutschen. Die traten im Gegensatz zum USA-Spiel mit Mustafi statt Hummels, Götze statt Podolski und Verunsicherung statt Verwaltung an. Währenddessen stand der Algerier, um den aggressiven Singular zu bemühen, tief. Das klappte wunderbar und wenn er nach vorn wollte, genügte ein langer Pass über eine Seite. Mal überfielen ganz viele Nordafrikaner Mustafis rechte, mal Höwedes’ linke. Was ihnen keiner gesagt hatte: Das wäre nicht vonnöten gewesen, beide Verteidiger taten sich schon mit nur einem Gegenspieler schwer.

Dabei hatte Mustafi extra mit dem Ramadan ausgesetzt. Für Spitzensportler, Schwangere und Kranke ist das angeblich möglich. Nun wird der Zentralrat der Muslime rätseln müssen, welche dieser Gruppen Mustafi mit seinem Auftritt für sich in Anspruch nimmt. Seine Kollegen versuchten das Chaos wegzuballern, mit Schüssen aus der Distanz. Das liest sich wie Verzweiflung, war aber durchaus sinnvoll. Der algerische Schlussmann M’Bohli hielt keinen Ball bei sich. Trotzdem musste sich die DFB-Truppe in 30 zusätzliche Minuten schleppen. Während denen brachen die Algerier allmählich ein. Die deutsche Rationalmannschaft dankte.

Ist es ein gerechtes Ergebnis?

Jein. Deutschland musste sich allein bei Neuer bedanken, noch nicht zur Halbzeit aus dem Spiel gewesen zu sein. In der Verlängerung waren Löws Mannen dann frischer und der Bundestrainer hatte in Schürrle und Khedira die wirkungsvolleren Antworten auf den Spielverlauf.

Wer war der Spieler des Spiels?

Manuel. Neuer. Torwart, Libero, Monument. Neuer grätschte, fing, köpfte, antizipierte, passte, beruhigte, beschleunigte, schimpfte, pokerfacte, sprintete, warf, winkte und schlug ab (womit er um Zehennagelbreite eine Torvorlage für Schürrle verpasste). Vor allem aber beeindruckte er.

Was war die Szene des Spiels?

Lange Zeit war es die deutsche Comedy-Freistoß-Nummer aus der zweiten Halbzeit. Zwischen Slapstick und Verwirrungstaktik machte sich Thomas Müller denkbar unelegant lang. Es wurde dann aber André Schürrles Viertelfinalöffner: Höwedes machte sich in der zweiten Minute der Verlängerung mal mit einem Ballgewinn nutze, den er auf Müller abschob. Der spielte scharf vor das algerische Tor und Schürrle persiflierte die deutsche Performance, indem er schwarz-rot-galant mit der linken Hacke ins rechte Eck hob. 

Was bedeutet der Sieg für die deutschen WM-Chancen?

Einerseits muss solche Spiele gewinnen, wer Weltmeister werden will. Nach dem Achtelfinale fragt Mitte Juli keiner mehr. Und auf Manuel Neuer ist Verlass. Und von der Bank kann Joachim Löw jederzeit was zusetzen. Andererseits spielen Götze und Özil nicht nur unverändert apathisch, sondern auch brotlos. Die deutsche Viererkette ist langsam, außen fahrig. Das Viertelfinale gegen die Franzosen lässt sich leichter vorbereiten und mit mehr Raum spielen, trotzdem bleiben die Fragezeichen um den eigenen Kader.

Was war sonst noch wichtig?

Das leidige Trio Lahm-Schweinsteiger-Khedira und sein Job-Sharing. Mit Ausnahme der Doppelsechs Khedira/Lahm sah Löw all seine Varianten. Angesichts schlingernder Innenverteidiger auf den Außenbahnen stellt sich weiterhin die Frage, ob man den Kapitän Lahm im Sinne der Mannschaft nicht lieber hintenrechts parkt.

Bei der leidigen Frage "Schweinsteiger oder Khedira?" muss umgedacht werden. Sie kann maximal "Wer beginnt?", muss idealerweise "Wann Schweinsteiger, wann Khedira?" lauten. Beide sind Rekonvaleszenten und halten mehrere WM-Spiele höchster Intensität (noch) nicht durch. Ganz abgesehen davon, dass sie mit ihren gänzlich unterschiedlichen Profilen verschiedene Situationen bereichern können.  

Und die Statistik?

Deutschland: Neuer – Mustafi (70. Khedira), Mertesacker, Boateng, Höwedes – Lahm, Schweinsteiger (109. Kramer) – Özil, Kroos, Götze (46. Schürrle) – Müller

Algerien: M’Bohli – Mandi, Mostefa, Belkalem, Halliche (97. Bougherra), Ghoulam – Lacen, Taider (78. Brahimi), Feghouli, Soudani (100. Djabou) – Slimani

Tore: 1:0 Schürrle (92.), 2:0 Özil (119.), 2:1 Djabou (120.+1)

Zuschauer: 43.000