Der 7:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien wird von vielen Medien weltweit als historisch gewürdigt. Fassungslos, ungläubig, schockiert und voller Bewunderung zeigen sich die Kommentatoren angesichts des WM-Halbfinalspiels in Belo Horizonte. "Schande" für Brasilien urteilen die Medien und: "phänomenales Deutschland".

In Brasilien überwiegt der Schock über die Schmach der einmalig hohen Niederlage. "Die größte Schande in der Geschichte", schreibt die Sportzeitung Lance!. "Eine unvergleichliche Folter für diejenigen, die die Seleção lieben." Nach Meinung der Zeitung reicht die Abwesenheit von Thiago Silva und Neymar nicht aus, um zu erklären, was die Zuschauer zu sehen bekamen: "Die schlimmste Niederlage des Fünffachweltmeisters in seiner glorreichen Geschichte."

Auch die Zeitung Folha de São Paulo schreibt von einem historischen Debakel: "Nicht wiederzuerkennen und völlig dominiert vor allem in der ersten Halbzeit wurde die brasilianische Seleção von Deutschland massakriert und mit 7:1 abgeschossen." Ähnlich sieht es das Blatt Estado de São Paulo: "Historische Demütigung. Im Land des Fußballs hat Deutschland, das in sein achtes WM-Finale geht, eine Lehrstunde erteilt. Es hat mit einer beeindruckenden Organisation, mit taktischer Disziplin, Passwechseln (...) und vor allem mit Entschlossenheit gespielt."

Noch mehr Leidensdruck kommt im Kommentar der Zeitung O Dia zum Ausdruck. "Schande im Land des Fußballs", schreibt das Blatt. "Der größte WM-Gewinner hat sich gekrümmt. Er wurde zu Hause gedemütigt. Und das mit erlesener Grausamkeit." Die Wunde sei offen und es werde dauern, bis sie verheilt ist. "Deutschland hat Brasilien gedemütigt, das Spiel in 29 Minuten entschieden und brauchte dabei den Fußball nicht neu zu erfinden. In Wirklichkeit zeigte Deutschland etwas, was der Seleção fehlte: Talent."

"Deutsche verprügeln die Gastgeber"

Britische Medien schreiben Schlagzeilen wie "Auf die Knie gezwungen" (Daily Telegraph) und "Sambaaargh" (Daily Star). "Die brillanten Deutschen verprügeln die Gastgeber", so die Daily Mail. "Es war die Nacht, in der Deutschland die Fußballkrone an sich riss", schreibt der Guardian. Die deutsche Mannschaft habe dies mit "ihrer eigenen Version des schönen Spiels" geschafft. "Als sie fertig waren, hatte Brasilien eine Schande erlitten, die so extrem und unglaubwürdig war, als ob man mit einem Filzstift Seiten ihrer Fußball-Geschichte geschwärzt hätte."

"Phänomenales Deutschland erniedrigt hoffnungsloses Brasilien", titelt die niederländische Zeitung Algemeen Dagblad. Das NRC Handelsblad schreibt: "'Wo warst du, als der nationale Fußball zusammenbrach?' werden Brasilianer einander noch in Dutzenden von Jahren fragen. (...) Brasilien ist erniedrigt. Brasilien heult. 1:7. Deutschland ist im Finale. Es ist kein Witz." Die Niederlande könnten im Finale auf Deutschland treffen, sollten sie gegen Argentinien gewinnen. Entsprechend groß war die Beachtung des Spiels dort. "Tag 26 der WM war der Tag, an dem Brasilien ein neues nationales Fußballtrauma erlebte", schreibt die Zeitung De Volkskrant. "Deutschland war nämlich gnadenlos gegenüber dem Gastland im Halbfinale der WM und verpulverte Brasilien mit 7:1 in Belo Horizonte."

"Oh! Mein! Gott!"

Auch in den bislang wenig Fußball-verrückten USA fand das Spiel große Beachtung. Zu Ehren der deutschen Nationalmannschaft wurde das Empire State Building in New York in den Farben Schwarz-Rot-Gold angestrahlt.

"Erst war da Unglauben, dann Tränen", schreibt etwa CNN. "Brasiliens Traum von der Weltmeisterschaft ist vorbei. Der Gastgeber wurde von Deutschland mit 7:1 gedemütigt." Und NPR titelt: "Deutschland walzt Brasilien mit 7:1 nieder." Die Zeitung USA Today schrieb sogar auf Deutsch: "Oh! Mein! Gott!" Und weiter mit (wie so oft unvermeidlicher) Anlehnung an die Nazi-Geschichte: "Deutschland schlägt Brasilien 7:1 in einem Fußball-Blitzkrieg." 

In Frankreich wird viel vom Trauma Brasiliens geschrieben. "Mit 7:1 von Deutschland gedemütigt, erlebt Brasilien ein nationales Drama", so etwa Le Figaro. "Für die brasilianische Mannschaft war es ein alptraumhafter Abend. Unvorstellbar." Die Sport-Tageszeitung L'Équipe schreibt: "Unglaublich. Diese Leistung ist einzigartig, weil sie in Brasilien erbracht wurde und weil sie gegen Brasilien erbracht wurde. Am Tag des Weltuntergangs, den die Brasilianer gestern ohne Frage bereits zu erleben glaubten, wird man sich noch an dieses Halbfinale erinnern." Die Brasilianer seien auseinandergenommen worden wie niemals zuvor in der Geschichte des Fußballs. Die Auswahl von Joachim Löw habe dagegen während der ersten halben Stunde "Traumfußball entwickelt". Und die Libération meint: "Unglaubliches Debakel für Brasilien. Deutschland läuft quasi auf dem Wasser."

Auch polnische Zeitungen schreiben vom "Weltuntergang" für Brasilien. "Die laute Stille. Das war das schlechteste Spiel in der Geschichte des brasilianischen Fußballs", so das Blatt Rzeczspospolita. "Die Hymne wurde von Spielern und Zuschauern a capella gesungen, die Erwartungen waren riesig, und dann war da nur noch Stille." Die Gazeta Wyborcza spricht vom "schwärzesten Tag des brasilianischen Fußballs". "In 19 Minuten zerbrachen die Träume der Canarinhos auf einen WM-Titel. In nicht ganz 20 Minuten schossen die Deutschen fünf Tore, die das große, vor Emotionen kochende Land erschüttern können." Und Przeglad Sportowy nennt das Spiel den "Weltuntergang in Belo Horizonte". Und weiter: "Weck mich und sag mir, dass es nur ein böser Traum war – so müssen die tränenüberströmten brasilianischen Fans auf das reagieren, was im Mineirao-Stadion in Belo Horizonte geschah." Die Mannschaft von Scolari habe sich in eine neue unrühmliche Seite der (Fußball-) Geschichte eingeschrieben.