Zwei zu Null für Kolumbien! Oder drei zu Null, für James und gegen Neymar! So schätzen die Kolumbianer vor dem Spiel ihre Chancen gegen den WM-Gastgeber Brasilien ein. Sie feiern schon vor dem Spiel. Jeder, der etwas auf sich hält, geht in die Farben der Nationalmannschaft gewandet aus dem Haus. Im ganzen Land sind die Straßen schon zur Mittagszeit voller jubelnder, tanzender Fans; dabei ist der Anpfiff erst um drei. Präsident Juan Manuel Santos hat den Staatsbediensteten ab ein Uhr freigegeben, damit sie ungestört Fußball sehen können. Wer doch arbeiten muss, tut das im Nationaltrikot.

Das Land ist in einem kollektiven Freudentaumel – allein die Tatsache, dass die Nationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft so weit gekommen ist, reicht dafür schon aus. Das bleibt auch später so, als Kolumbien ausscheidet.

Wir sind in einem kleinen Landhotel in Kolumbiens Kaffeegegend, weit ab von allem städtischen Überschwang. Eigentlich ist es ein ruhiger Ort, aber Ruhe vor dem Fußball gibt es heute auch hier nicht. Seit dem frühen Morgen schmücken die Hotelleute das Restaurant zum Spiel: Sie hängen gelb-blau-rote Luftballons und Luftschlangen an die Decke, stellen Tische in Formation zum Fernseher bereit und drapieren Tischdecken in den Nationalfarben. Unter den riesigen Fernseher legen sie eine kolumbianische Fahne. Alle tragen gelb oder rot.

Die Gäste natürlich auch. Als das Spiel läuft, benehmen sie sich, als seien sie im Stadion. Sie erheben sich zur Hymne – Hand ans Herz – und singen. Sie bejubeln jeden Vorstoß ihrer Mannschaft, beklatschen jede Balleroberung, schreien "Vamos, Colombia!" und stöhnen erleichtert über jede Parade vom Torwart David Ospina.

Leider muss der schon in der siebten Minute hinter sich greifen. Thiago Silva trifft zum 1:0. Brasilien spielt schneller und offensiver als die Kolumbianer. Es ist ein wildes Spiel mit vielen Fouls. Kolumbien kämpft, kommt aber nicht so richtig zum Zug. Im Hotel feuern wir unsere Mannschaft unverdrossen an. Der Gastgeber unterstützt uns mit Freigetränken, Popcorn und Bananenchips.