Es war ein guter Tag, um Historisches zu erreichen. Und Joachim Löw schrieb Geschichte, ein bisschen wenigstens. Am Abend, als sich das Wunder von Bern zum sechzigsten Mal jährte, zog Deutschland zum vierten Mal in Serie ins WM-Halbfinale ein. Das ist zwar noch kein epochaler Triumph wie der Titel von 1954, aber das hat noch kein anderes Land zuvor geschafft. Als Deutschland zuletzt nicht unter die letzten Vier kam, hieß der Trainer Berti Vogts.

Nun hat Löw die deutsche Elf gegen Frankreich nicht das Wunder von Bern nachspielen lassen, das kann ohnehin nur Sönke Wortmann. Wir wissen auch nicht, ob Löw vorm Schlafengehen Sepp Herberger in sein Gebet eingeschlossen hat. Aber er hat dem 1:0-Sieg kräftige Elemente deutscher Fußballtradition beigemischt, die Fritz Walter zur Ehre gereichen: leidenschaftlichen und radikalen Ergebnisfußball.

Zur Leidenschaft: Die deutschen Spieler halfen sich erneut so elffreundemäßig gegenseitig, dass Horst Eckel vor Freude geschrien haben muss. Ein großer Helfer war Mats Hummels. Als die Franzosen zu Beginn über die rechte Abwehrseite durchbrachen, rutschte er den Ball zur Ecke. Gerettet. Als Karim Benzema kurz später am langen Pfosten zum Kopfball kam, hielt Hummels seinen Bauch hin. Noch mal gerettet. In einer Szene in der zweiten Halbzeit wurde Philipp Lahm im Strafraum ausgespielt, doch Mats Hummels schmiss sich in den Schuss. Hummels, immer wieder Hummels. Er gewann alle wichtigen Zweikämpfe.

Auch für Hummels sprangen andere ein. Bei einem langen Ball in der ersten Halbzeit passte er kurz nicht auf, Jérôme Boateng verließ seine Zone und kreuzte hinter Hummels’ Rücken. Das gilt im modernen Verteidigen als letztes Mittel. Boateng konnte die Gefahr zwar verringern, aber nicht tilgen. Der Ball kam zu Benzema. Und dann rettete, mit dem Knie, wieder Hummels.

Dass in der deutschen Mannschaft so viel geholfen werden musste, hatte natürlich einen Grund, der die Hoffnung auf ein Reenactment von Bern leicht mindert. Zweifelhaft, ob man auf diese Art noch zwei Spiele gewinnen kann. Die Lücken im Kader sind groß. Er gleicht einer Bettdecke, die ein Stück zu kurz ist.